
Es
werden in
dieser Abteilung ausschließlich Systeme behandelt,
die im
Zusammenwirken mit einem Kompass funktionieren. Wir beschreiben in Teil
1 Instrumente, die seit dem späten 16. Jh. entwickelt wurden.
Im 2. Teil finden Sie technische Informationen und wichtiges
Hintergrundwissen. Mehr über reine Sonnnenuhren
finden sie außerdem auf
der Website
Gnonomik.
Bezüglich der nicht magnetischen
militärischen
Sonnenkompasse empfehlen wir
den exzellenten Artikel von
Malcolm Barnfield
The
Sundial Goes to War auf der
Website
Sundials.
Bild links: Taschenuhrförmige Sonnenuhr mit
Kompass (
Houlliot,
ca. 1930).
Datenblatt:
Durchm.: 50 mm;
Dicke (geschl.): 20 mm; Höhe
(Skalen aufgerichtet): 50 mm.
(Zum
Vergrößern, Bild anklicken - s.
weitere Houlliot-Modelle weiter unten)
Weitere Beispiele in den online-Sammlungen der britischen
Museen:
Museum of the
History of Science und
National Maritime Museum.
INHALT
Teil 1 - Sammlung
-
EUROPÄISCHE
Sonnenuhren (XVII. Jhdt. Dieppe und Nürnberger Dyptichen)
-
Moderne
Sonnenuhren (XX. Jhdt): USA,
ANSONIA
SUNWATCH
und
BOYD
SUN-TIME; Deutschl. s.
RÜTER; Österreich:
W.A.
-
CHINESISCHE
Sonnenuhren
-
Sonnenuhren
mit zwei sichelförmigen Skalen und Doppel-Gnomon
(CRESCENT)
-
EQUINOKTIAL-Kompasse
(Augsburger Typ)
-
SONNENUHREN
MIT MAGNETISCHEM ZIFFERBLATT (auch RÜTER-Uhr)
-
BION,
Nicolas
-
BUTTERFIELD, Michael
-
L'ABEE-LUNDS
Uhr-Kompass
Teil 2 - Allgemeine
Informationen
(u.a. Bedienungsanweisungen)
und Fachliteratur
FRANZÖSISCHE
SONNENUHREN (Diptychon)


Diese klappbaren Sonnenuhren aus Elfenbein werden nach der Stadt Dieppe
(Normandie) genannt, in der sie zuerst von Charles BLOUD entwickelt und
in relativ großen Mengen ab 1666 gebaut wurden.
Seine Brüder (oder Söhne?) Gabriel und
Jacques setzten den Handel fort und wurden dann zuerst
von Ephraim Sénécal und dann von Jacques
Sénécal imitiert (s. Tabelle 2, Foto Mitte).
Bild links: Instrument aus Elfenbein, wie Ch. Bloud sie
fertigte (unsigniert, Frankreich, 17. Jh.).
Bild rechts: zeitgenös. Bedienungsanleitung (1653), einschl.
für die Ermittlung der Uhrzeit in der Nacht (Mondschein)
sowie von Flut und Ebbe (
Faksimile erhältlich,
8 Seiten).
Tabelle 1 - Detailansichten der vier Seiten
Tabelle 2 - Weitere Beispiele.
Tab.
1
|
KOMPASS
Im Hintergrund
eine Liste von
Städten mit Breitengrad
(Fotos
James Frellsen / Fleaglass)
|
KALENDER
(...)
|
SONNENUHR
Anm.
Der Gnomon (Stift) fehlt.
|
MONDUHR
Nicht
mit einem Nocturlabium
zu verwechseln!
|
Manche Instrumente liefern mehrere Informationen: so genannte
italienische
und babylonische Tageszeiten (siehe
Definitionen weiter unten), Jahreszeitenkurven und eine Tabelle der
geografischen Breiten.
Bild Mitte: Auf dem Deckel befindet sich ein Universalkalender und eine
Polaranzeige. Im Innern befinden sich je ein vertikales und ein
horizontales Zifferblatt. An der Unterseite ist schließlich
ein analemmatisches Zifferblatt dargestellt. Diese Anzeige wird mittels
einer rotierenden Scheibe mit immerwährenden Kalender
gesteuert.
Tab.
2
Sonnenuhr
mit
Pendel und Kompass - Elfenbein - vermutl. Frankreich, 17. Jh.
(Foto
Jaypee - Privatsamml.)
|
Eine typische DIEPPE'sche Sonnenuhr, gebaut im
späten 17.
Jh. von Sénécal |

LIENHART MILLER
Foto links: Augsburg, Maximilian Museum
Foto rechts: Cdt Vivielles
catalogue
S/w-Bilder:
Cdt Vivielles
Privatsammlung
|
PORTUGIESISCHE SONNENUHR
Holz, Tinte, Farbe (XIX. Jh.), signiert
I.S.,
Iohannes (lateinisch für
Joao)
da Silva.
Die Uhrzeit gilt nur für die mittlere Breite Portugals (38-39
Grad)
 |

Auf
der
Rückseite ist ein Stempel aufgedrückt:
'VERDADEIRO AUTOR JOAO DA SILVA'.
Anm.:
COMPASSIPEDIA besitzt
dieses Instrument nicht. Diese Fotos wurden uns freundlicherweise von
einem Besucher übermittelt (Priv. Samml.).
|
Es
ist
anzumerken, dass zusätzlich zum Norden (Königslilie)
auch der Osten auf der Kompassrose gesondert vermerkt ist (siehe hierzu
den Artikel zu diesem Thema unter VERSCHIEDENES / Die
Himmelsrichtungen in verschiedenen Sprachen)

(Detailansicht
des
Kompasses: Bild anklicken).
Datenblatt
- Abmessungen: 68 x 48 x 14 mm
- Gewicht: 33 g
- Pendel : Blei
|
SPANISCHE SONNENUHR
(Replika: Link
Villa Alcor
anklicken)
TSCHECHISCHE SONNENUHR
Sonnenuhr
mit Himmelsrichtungen aus dem XIII. Jh. in tschechischer
Sprache*
|
|

Fotos Steinbrich-Fricke
(Zum
Vergrößern, Bilder anklicken)
* S. Verschiedenes /
Himmelsrichtungen
|
Datenblatt
- Abmessungen: ... mm
- Pendel: Blei
- Material: Holz, Tinte, unsigniert
- Datiert: 1748
|
BRITISCHE SONNENUHR
Papier auf Holz, England, frühes 19. Jh.
Auf der Rückseite ist eine Liste europäischer und
nordamerikanischer Städte mit dem jeweiligen Breitengrad nach
Ländern geordnet aber in willkürlicher Reihenfolge
(weder alphabetisch noch geographisch) geordnet.
Beispiele: New York: 41, Philadelphia: 40, Boston: 42.
DEUTSCHE
SONNENUHREN

Die zwei wichtigsten Fertigungszentren von Sonnenuhren in Deutschland
waren Augsburg (s.
Äquinoktial-Systeme
w. u.) und
Nürnberg. Dort wurden zunächst Diptychone aus
Elfenbein (s. o. MILLER), später solche aus Holz und Papier
hergestellt. Einer der führenden Hersteller war Ernst
Christoph Stockert (
s.
Foto links, Frédéric Secchi).
Einen Kompass-Hersteller des Namens
Stockert
gibt es heute noch (s. a.
Marschkompasse).
Datenblatt
(Bild links):
- Abmessungen: 72 x 72 x 11 mm
- Teilung: lediglich die Himmelsrichtungen sind angegeben. Die richtige
Lage
der Magnetnadel in Abhängigkeit von
der damaligen
Missweisung ist auf dem Boden durch eine Abbildung der
kompletten Nadel angezeigt, die diese komplett
überlagern soll (ca.
15° West, d.h. Ende des 18. Jh.). Man brauchte nur die Nadel
über dem Bild zur Ruhe kommen zu lassen. Der Gnomon liegt
horizontal in Ruhestellung. Um ihn aufzurichten braucht man nur sein
unteres Ende mit dem Daumen zu drücken.
ANSONIA
SUNWATCH
Steckbrief: Das Originalmodell dieses Systems wurde von The
ANSONIA
CLOCK Co., NEW YORK, USA am 6. Juni 1922 durch
George HOLLINWOOD,
THE ANSONIA CLOCK Co., 7th Av. 12th Street, BROOKLYN, NY
patentiert (
Link
zum Patent-Bild)
und hergestellt. Das Modell wurde nach dem Verkauf von Ansonia 1929 an
eine russiche Firma durch
Outdoor
Supply Co.
übernommen und vertrieben (Geschichte der Fa. Ansonia
HIER).
Der angepeilte Kundenkreis war hauptsächlich
die nordamerikanischen Pfadfinder und Wanderer
(Bild
rechts: Werbung
aus den 1920er J. Zum
Vergrößern, Bild anklicken).
Es gab davon fünf verschiedene Ausführungen. Jeweils
eine
für verschiedene Gegenden der Welt: zwei für den
amerikanischen Markt, eine für Australien/Neuseeland, eine
für Großbritannien und eine für Kanada. Die
Sonnenuhr
weist drei Skalen auf, um die Uhrzeit unter drei verschiedenen
Breitengraden lesen zu können. Bei diesem Modell befindet sich
im Deckel eine
Übersicht von 42 Städten der USA mit
ihrem jeweiligen Längen- und Breitengrad und
der
erforderlichen Korrektur in Minuten, die bezogen auf die
Sonnenzeit hinzuzufügen oder abzuziehen sind. Der
Messinggnomon wird in einem Schlitz der Grundplatte versenkt.
BOYD
SUN-TIME
Steckbrief: Dieses System wurde 1950 von Francis O. Boyd und John E.
Johanson patentiert. Hersteller war die JOHANSON MFG. CORP
BOONTON,
NJ. (Abb. des Patents: bitte
HIER klicken).
Der Verkäufer war die berühmte Fa.
Compass
-
Instrument and Optical
Company,
268 Fourth Ave. New York 10, New York.
(Zum
Vergrößern, Bilder anklicken)

Oben:
das
weiße Bauteil ist der Gnomon. Der vertikale
Teil soll so zur
Sonne ausgerichtet sein, dass kein Schatten auf den horiz. Teil fallt.
Unten: Unterschr. des Herstellers
 |
Tabelle der
Längengrade über
der Stundenscheibe

Einstellung des Längengrads

|

Karte der U.S.A. mit den Deklinationslinien in rot

Einstellung der Deklination |
Datenblatt
- Abmessungen: 50 x 37 mm
- Kompassdurchmesser: 30 mm
- Metallgehäuse
- Sonnenuhr mit zwei Stellungen: jeweils eine für die Sommer-
und die Winterzeit
- Tabelle des Breitengrads der wichtigsten Städte der
USA.
Bedienungsanweisung (6 S., Faksimile-Kopien
erhältl.)

|
Österreich
- W.A. (Logo: Sonnenaufgang)
Steckbrief: Unbekannnter Hesteller, keine Angabe über Patent
oder Schutzmarke, nur Abkürzung W.A. und Logo (Sonnenaufgang).
Die Monatsnamen sind in deutscher Sprache
(Österreich: Jän[ner] fur
Januar)
angegeben.
Gebrauchsanweisung: Das Gerät enthält fünf
Scheiben mit 10 unterschiedlichen Zeitspannen und
Tagesstunden. Die Zahl 12 (Mittag) muss gegenüber der
Nord-Marke (N) des Kompasses. Das Instrument so ausrichten,
dass die Spitze der Magnetnadel gegenüber dem kleinen
Pfeil der magnetischen Missweisung (zw. 11 und 12) liegt. Danach den
Gnomonträger* in die Einschnitte am Rand setzen und den
Gnomonstab aufrichten (*fehlt an diesem Instrument - siehe
Skizze
HIER).
Sein Schatten gibt die Uhrzeit - d.h. die Sonnenzeit am
Beobachtungsort, nicht die offizielle Uhrzeit des Landes!
Anhand der angegebenen Missweisung (Magnetisch-Nord, zw. 11 und 12)
kann das ungefähre Alter des Geräts ermittelt werden.
Da eine Stunde bekanntlich 15 Grad (360°/24 Std.)
entspricht, beträgt sie hier ca. 7 Grad West, was auf
das Jahr 1910 für die Stadt Wien hinweist (errechnet mithilfe
des
Onlineprogramms des
Umweltministeriums Kanadas).
Anm.:
Ein
Eigentümer des Geräts hat sich die Mühe
gemacht, die Angaben per Hand in rot zu verfeinern.

Anfangsbuchstaben und Logo des Herstellers
Fotos M.
Allouche - Zum Vergrößern, Bilder anklicken |

Neigungsmesser
(90°) |

Die fünf Wechselscheiben mit den Tageszeiten in
Abhängigkeit vom Datum
|
Datenblatt
- Durchm.: mm
- Höhe: mm
- Stunden/Monatsscheiben: fünf
- Das logo (Sonnenaufgang) ist fast identisch mit demjenigen von Busch Rathenau

|
Allgemeine Informationen über chinesische Kompasse: siehe
Kompasstypen/Marine/China
sowie
Verschiedenes/Himmelsrichtungen/China. Uns fehlen leider tiefergehende
Kenntnisse, um diese Instrumente ausführlich beschreiben zu
können. Ihre
Hilfe ist willkommen.
-
Horizontale Sonnenuhr
(
Reproduktion
- Link anklicken).
-
Vertikale
Sonnenuhr
-
In der Neigung
einstellbare Sonnenuhr
Beschriftung der einstellbaren Tafel (Sonnenuhr) und der
Ringe um den Kompass herum: Grundlage sind die entsprechenden
Informationen aus J. Klaproth's Buch
Lettre
à M. le Baron A. de Humboldt,
1834 (online abrufbar
HIER):
- Sonnenuhr:
Über dem Gnomon: ein unleserliches Zeichen, Unter dem Gnomon:
das Zeiche "
bei
" (auch
Pé, nord)
sowie drei konzentrische Kreise:
- Innerer Kreis: der
12-Zeichen Zyklus.
- Mittlerer Kreis: zweimal die
Zahlen 1-12 im
Uhrzeigersinn.
- Äußerer
Kreis: (?)
- Kompass:
- Innerer Kreis: die acht
Trigramme von Fu Xhi (kua).
Mit den
Instrumenten in der Kategorie RELIGION
vergleichen.
- Mittlerer Kreis: die
gleichen in klassischer Schrift. N-W
in rot.
- Äußerer
Kreis: die 24 Tchéou
(s. MARINE).
Technische Beschreibung: Sonnenuhr mit in der Neigung einstellbaren
Grundplatte. In der metallischen Kompasskapsel ist eine N-S-Linie
eingeritzt. Die Südspitze der Magnetnadel ist rotbemalt. Die
Glasabdeckung wird mittels eines schwarzen Rings
fixiert. Unter
der Platte mit der Stundenskala befindet sich eine Reihe von 13
Einkerbungen, die mit schwarzer Tinte beschriftet sind. Die Vorderseite
weist eine Skala für chinesische Stunden. Zwei Schriftzeichen
in
roter Tinte bedeuten, dass der Kompass nach Norden gedreht werden muss.
Eine abklappbare Messingsspitze dient als Gnomon.
Wenn aufgerichtet, steht si senkrecht zur verstellbaren
Platte.
Auf der Rückseite stehen neun chinesische
Zeichen (davon drei
in roter Tinte): vermutlich der Name und die Wirkungsstätte
des
Herstellers.

|

|

Beiderseits
der
13 Rasten:
vermutlich eine Liste von
Städten.
Außerdem, vier Zeichen in roter Farbe.
|
Rückseite:
- Drei Zeichen in roter Farbe,
- Sechs Zeichen in schwarzer Farbe.
|
Dieses Instrument trägt die Unterschrift seines
Herstellers J[oseph] Jackson, der im
Zeitraum 1735-1760 in
London tätig war. Es wurde vermutlich um 1750 herum
gefertigt. Diese Schätzung stützt sich auf
die
Ähnlichkeit der Gravuren mit anderen datierten Instrumenten.
Eine Beschreibung durch den Hersteller bzw. eine Bedienungsanleitung
dieser Instrumente wurde unseres Erachtens nicht
überliefert.
Grundsätzlich muss dieses Instrument genauso wie die
Äquinoktial-Kompasse auf den Breitengrad am Beobachtungsort
ausgerichtet werden. Die Einstellung wird außerdem in
Abhängigkeit des Zeitpunktes mithilfe des Kalenders
vorgenommen.
Die horizontale Lage wird mittels dreier Stellschrauben und zweier
Röhrchenlibellen sichergestellt. Normalerweise sind diese
Instrumente nicht mit einem Kompass bestückt, da sie sich
quasi
selbst orientieren. Der Schatten eines der Gnomone
fällt
jeweils auf eine der Stundenskalen. Das Hinzufügen eines
Kompasses
weist eventuell darauf hin, dass die magnetische Missweisung damit
gemessen werden konnte.
(Quelle:
The Royal Observatory, Greenwich, Großbritannien)
Die genaue Funktion aller Teile konnte nicht mit letzter Sicherheit
geklärt werden. Ihre Hilfe ist hier gefragt.
Hersteller:
J.
Jackson, London
(ca. 1750)

Seitenansicht
Datenblatt
Abmessungen
(Durchm. x
Höhe): 300 x 270 mm
Werbung für Fluginstrumente
|
Ansicht von
hinten


Detailansicht der Kalenders am Sockel
Zum
Vergrößern, Bilder anklicken
Fotos Scott Meyer |
Detailansicht
des Kompasses: die Anordnung der Nadeldrehspitze rittlings auf der
zentralen Libelle ist einmalig.

Unterschrift des Herstellers und Winkelwerte

Die Stundenskala (oberes Ende der halbkreisförmigen
Bügel)

|
Detailansicht
einzelner Skalen:
Stunden (Minuten)

Tierkreiszeichenskala

Vernier (Nonius) auf der Breitengradskala

Monate

|
(BESCHREIBUNG
und
Bedienungsanweisung: s.a.
Teil 2, unten)
(Anm.
Ein
Äquinoktial-Kompass in Taschenuhrformat wird am Seitenanfang gezeigt).
Dieses System wurde angeblich in Frankreich im
späten 17.
Jh. durch einen Uhrmacher namens RUGEND aus der Stadt Auch
(Pyrenäen, Südfrankreich) entwickelt.
Wie viele Hugenotten damals musste er seine Heimat in Folge der
religiöse Verfolgung
verlassen und nach Deutschland emigrieren, wo er seinen Namen
in Rugendas änderte. Es sind mehrere Kompasse von
diesem
Hersteller aus dem Raum Augsburg bekannt (Quelle:
Mesures
du temps et de l'Espace, OLF
1970).
Die typische Augsburger-Sonnenuhr bestand aus einer manchmal
vier-
aber meistens achteckigen Grundplatte, in deren Mitte ein Kompass
versenkt eingebaut war.
Der Gnomon war ein dünner Stab, der auf einer Querstange
drehbar
gelagert war, die auf einer West-Ost-Achse im
Stundenring befestigt war. Der Stundenring wurde
entsprechend
dem örtlichen Breitengrad angehoben. Eine liste von
Städten
mit ihrem Breitengrad war meistens an der Rückseite
eingraviert.
Manchmal aber auf einem Blatt Papier im Deckel des Gehäuse.
Andreas Vogler war der Bruder von Johann Georg Vogler, der in
Augsburg 1740 ein Geschäft eröffnet hatte. Andreas
übernahm das Geschäft seines Bruders
nach dessen Tod
1765 und führte die Geschäfte bis in die 1790er J. Er
starb 1800. Sie gehörten zu einer Gruppe von
Herstellern, die
sich auf die massenweise Fertigung billiger Produkte spezialisiert
hatten. Die Ausführung war grob, die Genauigkeit sehr
unterschiedlich.
(Quelle: Higton, H. “Sundials – an Illustrated
History of Portable Dials” © 2001)
Anmerkung:
Die hier gezeigten
Instrumente sind nicht
Bestandteil der Museumssammlung. Diese Fotos wurden uns von Sammlern
übermittelt
(Privatsammlungen).
Zeichnung
aus: "La GNOMONIQUE pratique",
Abb. 68

(Zum
Vergrößern, Bild anklicken) |
Instrument mit Signatur
(Foto r.): And[reas] Vogl[er]

(Zum
Vergrößern, Bild
anklicken) |

Eleva Poli = Elevatio Poliarum (Breitengrad der Städte)
Augsburg, Paris 48
Cracau, Prag 50
Leipzig 51 |
 |

|
Links
und Mitte:
Präzisionsinstrument mit zwei Libellen und drei
Sztellschrauben von F.
BARKER
& Son
(GB, 1919).
Die Skala der geografischen Breiten reicht von 0 bis 90°, so
dass dieses Instrument weltweit eingesetzt werden kann.
|

Instrument mit einer Libelle der Fa. SECRETAN
(Frankreich, ca. 1930) |

Dieses Instrument wurde von HOULLIOT
gebaut (Mitte des 20. Jh.)
|
|
Steckbrief: Nicolas BION war ein französischer Mathematiker.
Seine
Werkstatt befand sich in Paris, Quai de l'Horloge du Palais.
Er schrieb ein berühmtes Werk über mathematische
Instrumente (
Traité
de la construction et des principaux usages des instruments de
mathématique) und er
baute Kompasse nach dem
Butterfield-Prinzip.
VORSICHT
-
FÄLSCHUNGEN
Mehrere
Museen haben
bestätigt,
dass Imitationen zZ. erhältlich sind. Es handelt sich
dabei
nur um wertlose
Reproduktionen aus Museums-Souvenirläden und nicht um echte
Antiquitäten. Sie sind an der groben
Ausführung des
verstellbaren Blattes (mit den Breitengraden 40-50-60) des Gnomons leicht zu erkennnen. Im
Zweifelsfalle
schicken Sie uns Fotos Ihres Instrumentes.
 |

N.
BION's Instrument war auf der
Seite 362 seines Werkes abgebildet. |
 |

Anm.:
Das
Internet-Kompassmuseum verfügt nicht über dieses
Objekt.
Es wurde 1984 bei einer Auktion fotographiert (Katalog).
|
Steckbrief: Michael Butterfield (1635-1724) war ein
britischer Uhrmacher, der
sich um
das Jahr 1663 herum in Paris
niedergelassen hatte. Er arbeitete für den
königlichen Hof
und wurde zum Ingenieur des Königs ernannt. Er betrieb eine
Werkstatt für Präzisionsinstrumente mit
Verkaufsräumen
im Stadtviertel
Faubourg
Saint-Germain in der
Strasse
rue
Neuve-des-Fossés.
Sein Geschäft hieß AUX ARMES D'ANGLETERRE
(zum Englischen Wappen) und wurde 1677 zuerst
erwähnt). Der russische Tsar Peter der
Große besuchte die Werkstatt 1717 und bestellte eine
große Menge Uhren aus vergoldetem Kupfer. Nach Butterfields
Tod im Jahre 1724
wurde
das nach ihm benannte System von vielen europäischen
Herstellern nachgebaut.
Beschreibung
Die Butterfield-Sonnenuhr ist ein semi-universelles
horizontales System, d.h. es kann unter mehreren Breitengraden
eingesetzt werden, jedoch nicht auf dem gesamten Erdball, da es keine
Einstellmöglichkeit von 0° bis 90°
aufweist. Es ist
meistens achteckig oder oval und mit drei bis vier Stundenskalen
für entsprechende Breitengrade versehen. Auf
dem einstellbaren blattförmigen Gnomon ist eine
Breitengradskala eingraviert. Der Gnomon ist angelenkt und bewegt sich
in einer vogelförmigen Halterung, wobei der Schnabel des
Vogels
als Zeiger dient. Der Kompass ist um die magnetische
Deklination verdreht.
Butterfield war nicht der Erfinder dieses Systems. Es sind
ältere
Instrumente bekannt, z.B. von Roch
Blondeau (datiert auf das Jahr 1673), aber er wurde
vermutlich wegen des von ihm eingeführten
Vogel-Designs
berühmt und erfolgreich. Alle anderen Hersteller
übernahmen
das Vogel-Gnomon-Prinzip.
Quelle: Higton, H. “
Sundials
– an Illustrated
History of Portable Dials”
© 2001
Horizontale Taschensonnenuhr aus massivem
Silber. Signiert "Butterfield à Paris" mit
einer Königslilie auf jeder Seite.
Taschenkompass
mit
Klapp-Gnomon
Im S-L-Katalog von 1932
abgebildet, wurde aber von
Houlliot
hergestellt.
Siehe auch in der Kategorie Taschenkompasse.
Aufklapp-Halsanhänger
 |

|
Replika
eines alten Instruments
Datenblatt
- Abmessungen: 50 x 38 x 13 mm
- Gewicht: 35 g
(Zum
Vergrößern, Bilder anklicken) |
Beschreibung:
Bei diesem System dreht sich die Stundenskala wie
die rotierende Scheibe eines Schiffskompasses und stellt den
Gnomon automatisch auf eine Nord-Sud-Linie ein. Dieses System
war
bereits im 18. Jh. im Gebrauch. Sammler und Museen nennen sie
im
Englischen auch "Magnetic
Dials". Der Begriff "Pantochronometer", der kombinierte
Sonnenuhr
und Kompass bedeutet, wurde zuerst im späten 18. Jh.
bzw.
frühen 19. Jh. verwendet und zwar vermutlich in
Großbritannien und wahrscheinlich von Essex
& Co (Charles Essex ? 1824-1828, London)
für seine Versionen des 19. Jh. Die meisten Hersteller (wie
z.B.
Porter) nannten sie auch "Magnetic Dial". Nur wenige nannten sie
Pantochronometer. Sie wurden oft aber nicht immer mit
sogenannten EOT tables (Equation of
Time) geliefert.
Probleme
der Magnetischen
Sonnenuhren
- Die Verwendung ist nur im Breitengrad möglich,
für das das Zifferblatt erstellt wurde.
- Die Missweisung (magnetische Deklination) konnte nicht angepasst
werden. Alle Sonnenuhren müssen auf geographisch Nord
ausgerichtet
sein (und nicht magnetisch Nord!). Nach weniger als 10 Jahren
war
die Ausrichtung wegen der Nordpolwanderung falsch und die Zeitangabe
verstellt.

|

Fotos weezie24
|

|
Datenblatt
- Diameter: 57 mm
- Höhe (ohne Deckel): 37 mm
- Hersteller: Stockert (vermutl. Johann Paul) Deutschland,
spätes 18. Jh.
Zum
Vergrößern, Bilder anklicken |
Steckbrief: C. R. (Name ?) war ein französischer
Juwelier / Sonnenuhren-Hersteller (des 19. Jh.?)

|
 |

|
Datenblatt
- Durchmesser: 55 mm
- Höhe (mit Deckel): 20 mm
- Gewicht: 34 g
- Material: Leichtmetall, vergoldet, Pappe
(Zum
Vergrößern, Bilder anklicken) |

(Zum
Vergrößern, Bilder anklicken)
|
Russisches
Instrument mit gewölbtem Glas

|
Datenblatt
- Durchm.: 40 mm
- Höhe: 14 mm
- Frühes 20. Jh.
- Gewicht: 18 g
- Himmelsrichtungen in altrussischer Sprache (vgl. mit Verschiedenes /
Himmelsrichtungen / Russisch)
|

Foto
Privatsammlung
(Zum
Vergrößern, Bilder anklicken) |

Skalen für Winter- und Sommerzeit (WZ/SZ)
sowie zur Korrektur der Missweisung |
RÜTER Kompass-Uhr
(Type Nr. 5 - Berlin)
Datenblatt
- Durchm.: ca. 50 mm
- Höhe: 25 mm
- Produktionsdatum: Sommer 1946
Die magnetische Vorrichtung bestand aus zwei
verstellbaren magnetisierten Rasierklingen
(Bild aus Neues
Universum).
- Ausführl. Gebrauchsanleitung (Faksimile) erhältl.
(siehe BOUTIQUE)
Die Fertigung wurde in der Wochenschau 1946
gezeigt. |
Steckbrief: C. R. (voller Name ?)
war ein französischer Sonnenuhren-Hersteller (des 19. Jh.)

|
 |
Datenblatt
- Durchmesser: 55 mm
- Höhe (ohne Deckel, Gnomon aufgerichtet): 22 mm
- Gewicht: 35 g
- Material: Messing, Pappe-Zifferblatt
(Zum
Vergrößern, Bilder anklicken) |

Steckbrief: Johan Henrik L'Abée-Lund war ein
norwegischer Ingenieur. Er erfand und fertigte diesen Kompass von
ca. 1922 bis zum Ende der 30er Jahre. Der Begriff
Uhr-Kompass
ist
wörtlich zu nehmen: mithilfe der Tabelle an der
Rückseite konnte die Uhrzeit ermittelt werden.
Die rote Ameise war eine Anspielung auf die Grundregel, nach der man
sich im Wald leicht orientieren kann, da die Ameisenhaufen meistens an
der Südseite der Bäume stehen. Der Verkaufsslogan
lautete dementsprechend
Kjøp
Kompassen med Mauren
i syd, d.h. die "Kaufe den
Kompass mit der Ameise im
Süden".
(Zitiert und übersetzt mit freundlicher Genehmigung
der Betreiberin der Website
http://www.purgatory.net/kornelia/compass/compass.htm).
Foto
rechts:
Die rote Ameise als Südmarke
Herkunft: Deutschland (ca. 1930-1940),
Modell
FAVORIT.
Faltbares Fernglas mit Kompass und Flaschenöffner. Letzterer
dient auch dazu, die kleinen federbelasten Linsen im gefalteten Zustand
festzuhalten.
Funktionsweise des Kompasses: Auf dem Zifferblatt sind sie Tagesstunden
(von 3 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends, entsprechend dem
längstmöglichen Sommertag in Norddeutschland) und die
Himmelsrichtungen angegeben. Um den Kompass auszurichten wird zuerst
der Zeiger so gedreht, dass die (von einer Uhr abgelesene) Tageszeit im
gabelförmigen Ende des Zeigers erscheint. Man dreht sich dann
so, dass die Zeigerspitze in Richtung Sonne zeigt. Beispiel: Mittags
(um 12) steht die Sonne im Süden.
Wie bei allen anderen (in der Kategorie ANDERE Kompasse) gezeigten
Theater-Ferngläsern
befindet sich an der Rückseite des Kompasses ein Spiegel.
 |

Bild
anklicken, um die
Zifferblattdetails zu betrachten |
Datenblatt
- Länge (gefaltet): 105 mm
- Kompassdurchmesser: 40 mm
Beschriftung des Zifferblattes:
- Sonnen-Uhr & Kompass
- Abends
- Morg.
- Tourist / D.R.P.a.
Zum Begriff Tourist
und den Abkürzungen,
siehe das Glossar im Menüpunkt VERSCHIEDENES.

|
ALLGEMEINE
INFORMATIONEN
über Astronomie und die Technik der Sonnenuhren
Das
physikalische Prinzip:
Eine Sonnnenuhr ist eine Reproduktion der Erde im Kleinformat. Sie muss
daher
entsprechend ausgerichtet sein, um vom Sonnenlicht auf die gleiche
Weise angestrahlt zu werden. Dies erfolgt mittels
primär
mittels eines
eingebauten
Kompasses, wobei die magnetische
Deklination
zu berücksichten ist. Der Gnomon
muss, falls einstellbar, auf den Himmelspol der Erde gerichtet
sein
d.h. parallel zur ihrer Drehachse bzw. auf den Polarstern*
zeigen
- würde man ihn bei Tag sehen
können! Der Stundenring liegt dann parallel zur
Äquatorialebene der Erde. (
S.
a. Bedienungsanweisungen weiter unten).
Bild
rechts: Auf manchen
Taschen-Sonnenuhren des 18. Jh. war die Deklination mithilfe einer
zusätzlichen Linie zwischen den Buchstaben E
(für Latein
emendo
=
Korrektur) gekennnzeichnet.
*
Polarstern und
geographische Breite
Der Höhenwinkel des Polarsterns über dem Horizont (in
Grad
ausgedrückt) hat den gleichen Wert wie die Breite
am Standort
des
Beobachters. Theoretisch ab dem Äquator sichtbar (0°)
kann man
ihn aufgrund der Luftstörung erst ab 10°
beobachten.
Die
Bestandteile einer Kompass-Sonnenuhr
Der Gnomon
Die Uhrzeit wird durch den
auf eine Stundenskala fallenden
Schatten einer Vorrichtung angezeigt, die Gnomon genannt wird
(s.
weiter unten
Ablesen
der Uhrzeit). Es gibt drei
verschiedene Gnomon-Typen: den
Stiftgnomon,
welcher senkrecht zur horizontalen Uhrzeitenskala steht, und
die einstellbaren
blattförmigen
und
Fadengnomon.
Der Einstellwinkel hängt von der Breite des Standorts ab, wo
sie
eingesetzt werden: steil in nördlichen Gegenden bzw. flach in
Richtung Äquator.
Ein Typ bildet eine Ausnahme: nämlich die
chinesische
Sonnenuhr mit einstellbarer Platte (s.o. Diptychon 2).
-
Faden-Gnomon:
der Faden kann an einem einzigen Punkt verankert sein oder an mehreren
Stellen eingesteckt werden (s. deutsche Sonnenuhr Nr. 2 oben
).
-
Blattförmige
Gnomone
Sie bestehen meistens aus einem umklappbaren
Metallplättchen. Die meisten sind verziert und weisen eine
Teilung von ca. 20 Grad auf (Breitengrad 40-60), womit der
größte Teil Europas abgedeckt wäre (s.
weiter unten
Die
Breitengradskala). Dieses
Teil ist außerdem so
angelenkt, dass es vor einem Zeiger verstellt werden kann. Den Zeiger
bildet der Schnabel eines vogelförmigen Beschlags (Entlein).
Die G
nomone
mit nicht verstellbarem Blatt
weisen eine Neigung von ca. 45° auf, was für eine
ungefähre Zeitangabe in einem begrenzten Bereich ausreicht.
Beide Typen können für den Transport seitlich
zusammengeklappt werden.
-
Die Breitengradskala
An anspruchsvollen Äquinoxial-Kompassen für
die Nautik und die Exploration, die weltweit einsetzbar sein sollen,
muss die Breitengradskala jeden beliebigen Punkt auf der Erde
dastelllen können. Sie muss daher einen Umfang von 0 bis
90° aufweisen, um eine komplette Hemisphäre abdecken
zu können.
An den kleinen Taschenuhrausführungen reicht meistens eine
Zeitangabe für einen begrenzten Bereich (Zentraleuropa,
Mittelmeer, usw.)
aus. Die Breitengradskala umfasst daher nur ca. 20 Grad (
38-56 an der deutschen
Sonnenuhr Nr. 2 oben),
was immerhin einen Bereich
von Portugal bis Schottland abdeckt.
-
Der Kompass
Außer bei professionellen Geräten für
nautische Anwendungen und Explorationen sind diese Instrumente nur mit
einem rudimentären Kompas ausgrüstet. Er ist meistens
in einer Aussparung der Grundplatte eingelassen (s.
Bion und Butterfield).
Das Ablesen der
Uhrzeit
An den kleinen faltbaren
Instrumenten kann die
Uhrzeitenskala aus mehreren (2-4) konzentrischen
Kreisen bestehen. Die Stunden sind abwechselnd in arabischen
und römischen Ziffern angegeben. Die Uhrzeit wird durch die
Lage des Schattens (Strich beim Fadengnomon, Grenze zwischen Licht und
Schatten beim Blattgnomon) ermittelt. An Äquinoxialkompassen
erfolgt das Ablesen der Uhrzeit am einstellbaren Stundenring (
Bild links).
Nur
die Tageslichtstunden
von
4 Uhr früh bis 20 Uhr (IIII
- VIII) sind angegeben.
Anmerkung
Die
angezeigte Uhrzeit
stimmt nicht mit der offiziellen Uhrzeit überein!
Eine Sonnenuhr richtet sich
nur nach der Sonne und
berücksichtigt die konventionelle Aufteilung des Erdumfangs in
Zeitzonen nicht. Diese wurden durch Meridiane
definiert, die 15° voneinander entfernt sind (diese Zahl
entspricht 1/24stel des Erdumfangs, d.h. 360°
geteilt durch 24
Stunden), aber sie richten sich auch nach den Landesgrenzen!
Wenn eine Sonnenuhr Mittag anzeigt, kann es schon eine halbe Stunde vor
bzw. bereits eine halbe Stunde nach der offiziellen Zeit
sein, je nachdem wo sich der Beobachter befindet - westlich
oder östlich des jeweiligen Meridians. Von der
französischen Atlantikküste
(Stadt Brest) bis zur ungarischen Grenze hinter Wien gilt die gleiche
Uhrzeit, obwohl dieser Bereich fast 2000 km, d.h. grob 30
Grad - also 2 Sonnenstunden umfasst!
Da 24 Stunden 1440 minutes enthalten, entspricht eine Minute
(1440/360) vier Längengrade (15 Sekunden je Grad). Der
Nullmeridian
(0°) verläuft über der Stadt Greenwich und
sein
Gegenstück, die Datumsgrenze, bei 180°. Die volle
Uhrzeit kann
daher nur an solchen Orten direkt gelesen werden, die
sich exakt auf einem Mehrfachen von 15° befinden,
d.h. 30, 45, 60, 75, 90,
105, 120, 135, 150, 165 und 180 Grad West und Ost). Da sich die Erde
(vom Nordpol aus gesehen) gegen den Uhrzeigersinn dreht, bewegt sich
die Sonne am Himmel scheinbar von Ost nach West. Innerhalb
einer definierten Zeitzone muss ein Beobachter daher je eine
Minute pro Viergrad-Abschnitt bis zum Referenzmeridian
hinzufügen bzw. abziehen, je nachdem ob er
sich westlich
oder östlich davon befindet, d.h. bevor oder
nachdem die
Sonne am Mittag darüber steht. Beispiel: ein Beobachter, der
sich
bei 92° West befindet, must 8
Minuten zu der von seiner Sonnenuhr angezeigten Zeit addieren, um die
richtige Uhrzeit zu lesen. Ein anderer, der sich
bei 88° West
befindet, muss 8 Minuten abziehen.
Ein weiterer Faktor muss hier berücksichtigt werden:
nämlich die
Zeitgleichung,
die durch die
elliptische Bewegung der Erde um die Sonne entsteht.
Schließlich
darf nicht vergessen werden, dass eine Sonnenuhr die administrative
Zeitumstellung (Winter und Sommerzeit nicht kennt!)
Definition der Stunden in der Antike :
Es hat mehrere Methoden gegeben, die Tageszeit zu messen:
-
judäische bzw.
antique Stunden: 12
Stunden gleicher Länge, gezählt vom Sonnenaufgang bis
zum Sonnenuntergang sowie 12 Stunden anderer Länge, von
Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. Diese waren nur zweimal im Hahr
gleicher Länge, nämlich am Tag der Tag- und
Nachtgleiche (äquinox) am 22. März und am
22. September.
-
italische
Stunden: 24 Stunden gleicher
Länge, gezählt vom Sonnenaufgang bis zum
nächsten Sonnenaufgang
-
babylonische
Stunden: 24 Stunden gleicher
Länge, gezählt vom Sonnenuntergang bis zum
nächsten Sonnenuntergang
-
astronomische Stunden:
24 Stunden gleicher
Länge, gezählt von Mittag bis Mittag am folgenden Tag.
BEDIENUNGSANWEISUNGEN
für die verschiedenen Systeme
A - Äquinoxial-Kompass (mit verstellbarem Stiftgnomon)
1. Instrument auf
eine
horizontale und ebene Fläche stellen. Gegebenenfalls mithilfe
der
Einstellschrauben und der Libelle(n) die perfekte
Horizontalität
herstellen.
2. Stundenring mithilfe des Breitengradringes auf den
Breitengrad
am Standort des Beobachters einstellen (Beispiele: Berlin 52°,
Zürich/Wien 48°).
3. Gnomon um 90° gegenüber dem Stundering
aufrichten.
4. Kompass auf geographisch Nord unter
Berücksichtigung der örtlichen
Deklination
einstellen.
B
- Sonnenuhren
mit Faden-Gnomon (2a) bzw. mit Blattgnomon (2b)
1. Instrument auf
eine
horizontale und ebene Fläche stellen.
2a. (
Faden)
Deckel
senkrecht aufrichten und fixieren. Der Faden muss gespannt sein.
Gegebenenfalls auf die Breite am Standort des Beobachters einstellen.
Hierfür die nächstliegende an der Rückseite
angegebene
Stadt auswählen.
2b. (
Blatt)
Blattgnomon gegen
den Schnabel des Vogels auf die Breite am Standort des Beobachters
einstellen. Hierfür die nächstliegende an
der Unterseite
angegebene Stad auswählen).
3. Kompass auf geographisch Nord unter
Berücksichtigung der örtlichen
Deklination
einstellen.
FACHLITERATUR

Hier
einige Bücher in
englischer Sprache:
- Gatty, Mrs. A. K. "The Book of
Sundials." - Edit by H.K.P. Edens & E. Lloyd.
© 1872 - Fourth ed. 1900
- Gouk, P. "The Ivory Sundials of Nuremberg 1500-1700”
© 1988
- Higton, H. “Sundials – an Illustrated History of
Portable Dials” © 2001
- Lloyd, S.A. ”Ivory Diptych Sundials 1570-1750”
© 1992
- Marshall, R.K. “Sundials” © 1963
- Waugh, A.E. “Sundials – Their Theory &
Construction” © 1973
Nachstehend einige antike
Fachbücher (in
französischer
Sprache), die die Berechnung und die Fertigung von solchen
Sonnenuhren zum Thema haben:
- Traité de la CONSTRUCTION et des principaux
usages des INSTRUMENTS de MATHEMATIQUE, Nicolas
BION
(1709,
siehe oben)
- TRAITÉ de GNOMONIQUE PRATIQUE, Dom
François Bedos de Celles (1709, s. Bild rechts),
- Traité d'HORLOGIOGRAPHIE, Dom Pierre de Sainte
Marie-Madeleine (1701).
Andere, im 20. Jh. verfassten Werke beschreiben mehr die alten
Instrumente aus der Sicht des Sammlers von Antiquitäten:
- LES MONTRES SOLAIRES (Cdt Vivielle, 1932),
- LES INSTRUMENTS DES SCIENCES (Sté fr. du Livre, 1966),
- MESURES DU TEMPS ET DE L'ESPACE (Off. du Livre, Fribourg, 1970).
- LES MONTRES SOLAIRES
(30 S., 1932) - Autor:
Commandant VIVIELLE, Leiter der Bibliothek der französischen
Marine und Privatsammler. Dieses Büchlein liefert wertvolle
Informationen über die verschiedenen Systeme und ihre Erfinder.
(Fotokopien
erhältlich).
-
Anciennes
INDUSTRIES scientifiques et artistiques DIEPPOISES
(55 S., 1904) - Autor: Ambroise MILET, Kapitel II: Cadrans
à boussole.