INHALTSVERZEICHNIS
Zur eigenen Orientierung im Raum gehört zuerst die Kenntnis
der
eigenen Blickrichtung in Bezug auf eine festgelegte Referenzrichtung.
Die erste Teilung des Raumes um den eigenen Körper herum
gründet auf den vier physikalisch unmittelbar
fühlbaren
Richtungen nämlich vor und hinter sich sowie links und rechts
von
sich. Ein möglicher Bezugspunkt kann die Position der Sonne
im Laufe des Tages sein:
Aufgang, Höchststand am Himmel und Untergang.
Diese Punkte sind
aber
aufgrund der durch die tägliche Variation bedingten Dynamik
sehr
ungenau. Windrichtungen an einem Bestimmten Ort können
ebenfalls
als Referenzen zugrundegelegt werden. Der einzige optisch
unveränderliche Bezugspunkt jedoch war schon immer der
Polarstern,
welcher nach der Entdeckung der Eigenschaften
des Magnetit-Gesteins durch dessen automatischen
Ausrichtung
auf den magnetischen Nordpol ersetzt wurde.
Von diesem Punkt aus wurde ein Kreis um den eigenen Körper
herum
definiert und die anderen erwähnten Richtungen -
nämlich die
Position der Sonne an bestimmten Tagen des Jahres - darin eingebaut.
Daraus ergaben sich vier gleich große, so genannte
Himmelsrichtungen.
Jedes Viertel wurde wiederum halbiert, was Achtel ergab, jedes Achtel
ebenso (1/16) und so weiter (1/32). Die meisten älteren
Kompasse und Seekarten weisen eine in 32 Punkte geteilte "Windrose"
auf. Ist die Windrose groß genug um noch mehr Details
zeichnen zu
können, so kann man die 32stel noch einmal halbieren und somit
den
Kreisumfang in 64stel teilen. Die große Ungenauigkeit der
Kurshaltung auf einem schwankenden Schiff machte jedoch eine solche
Präzision meistens überflüssig. Der
Kreis kann aber in andere, aus mathematischen Berechnungen
resultierenden Einheiten geteilt werden.
DIE VERSCHIEDENEN EINHEITEN:
STRICH (traditionelle Seefahrt), GRAD, GON, STRICH
(Artillerie)
(Für
den
STRICH als Winkeleinheit in der Artillerie
(6400') s.
weiter unten)
Dieser Begriff (rhumb in Englisch und
Französisch)
bezeichnet die Teilstriche des Kreises. Wenn ein Kreis
gemäß den 32 Windrichtungen geteilt wird, umfasst
jede
Unterteilung einen Winkel von (360/32 =) 11° 15'.
Bild
r.: Kompassrose aus dem 18. Jh. ... (Zum
Vergrößern, Bild anklicken)
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Der Grad ist die bekannteste Winkelteilung des Kreises. Es wurde zuerst
von Ptolemäus in seinem Astronomie-Kompendium Almagest
verwendet
und entspricht einem 360stel des Kreisumfanges.
Eine besondere, lange Zeit sowohl bei großen
Geologen- als auch bei kleinen Taschenkompassen
benutze Variante, bestand
in der Teilung des Kreises in vier Quadrante à je
90°, wobei der Wert Null jeweils bei Nord und Süd lag.
Die Richtungen wurden in kleinen Winkelgrößen ab der
am nächsten liegenden Null zusammen mit der jeweiligen
Himmelsrichtung angegeben.
Beispiel: 190 Grad heißt dann 10 Grad
SW.
Bild r.:
Taschenkompass, ca. 1850 (Zum
Vergrößern, Bild anklicken)
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Dieses Maß ist die Übertragung des metrischen
Systems auf die Teilung des
Kreises:
ein rechter Winkel misst hiermit 100 Gon, der Kreisumfang
beträgt
daher
400 Gon. Diese Teilung ist die offizielle Einheit in Frankreich bai
allen geodätischen Arbeiten. Man kann sie auf
vielen
französischen Kompassen aber auch am italienischen STOPPANI,
an schweizerischen MERIDIAN-Instrumenten
oder
an den Produkten der Firmen Breithaupt oder FPM beobachten.
Bild r.:
Französischer Marschkompass Modèle 1922
mit 400 gon Teilung (Zum
Vergrößern, Bild anklicken)
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Manche Kompasse weisen zusätzlich zur Einteilung in
Winkeleinheiten eine Skala in Stunden.
Wir zeigen hier zwei verschiedene Systeme: 24 Stunden zusammen mit 360
Grad auf einem Teilkreis (siehe rechts und unter ROSPINI)
oder nur die Sonnenstunden des Tages (Beispiel: s. l'Abée-Lunds
Uhr-Kompass).
Bild
r. : Teilkreis eines kl. Geologenkompasses von ROSPINI, Anfang des 20.
Jh. (Zum
Vergrößern, Bild anklicken)
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Eine weitere Teilungseinheit ist der sogenannte Artillerie-STRICH. Es
ist ein Hilfsmittel für die Messung von Entfernungen (bei
bekannnter
Größe) bzw.
von Objektgrößen (bei bekannter Entfernung). Sie ist
vermutlich in Frankreich entstanden und wird seit dem
späten 19. Jh. meistens vom Militär verwendet. Ein
Strich ist der Winkel, unter dem ein Gegenstand von einem Meter
Länge in einer Entfernung von einem Kilometer betrachtet wird.
Sein
offizielles Symbol in Frankreich ist der Buchstabe "m" mit einem um 30
Grad geneigten
querstrich (

).
Der Buchstabe "m" steht für das französische Wort
millième" (wortwörtlich "Tausendstel"). In der
angelsächsischen Welt wird das Wort "Mils" verwendet. Auf
älteren deutschen Kompassen war er mittels eines
Apostrophs
(') wie in der Dokumentation zum Bézard-Kompass oder eines
hochgestellten Minus-Zeichens dargestellt.
Artillerie-Kompass
(Deutschland, 2. WK)
Teilkreis in 10 Strich Schritten
Zum Vergrößern, Bilder anklicken
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Umrechnungstabelle auf der
Rückseite
eines deutschen Artilleriekompasses
(Hersteller unbekannt)

Spalten für
- Grad/%
- Strich
- Gon |
Marschkompass
Modell 1922
(Frankreich, 2. WK)
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Konversionstabelle eines
französischen
Marschkompasses Mle 1922

Abkürzungen (rechts neben den Skalen):
"D" für degré
(Grad)
"G" für grade
(gon)
"M" für millième
(Strich). |
Erläuterung: Der Kreisumfang beträgt 2 pi radian =
360 Grad. Der Strich ist
ein Tausendstel Radian. Genau gerechnet ergibt dies 6283 Strich. Ein
Gegenstand von 1 m Breite in einer Entfernung von 1 km betrachtet
entspricht 1 Strich. An der Kompassrose eines Marschkompasses ist eine
solche Präzision nicht Messbar. Die letzten beiden Nullen
werden daher weggelassen (Beispiele weiter unten).
In seltenen Fällen wurde der Teilkreis in Schritten von 10
Strich (siehe den
GOERZ-Kompass)
geteilt.
Diese Zahl wurde jedoch für eine einfachere Berechnung auf
6400 auf- bzw. 6000 abgerundet. Erstere ist die übliche
Teilung auf den Kompassrosen der NATO und der westlichen Welt (Teilung
0-64).
Der frühere "Ostblock" hatte sich hingegen für die
Abrundung auf 6000 entschieden (Teilung 0-60, Beispiele s.
FPM).
Die 6000er-Teilung war von Emile Rimailho* für die von ihm
1904
entwickelte Kanone 155 CTR (
court
à tir rapide / Kurzes
Rohr,
Schnellfeuer - Vorläufer der späteren
Flugabwehrkanonen,
FlAK) verwendet worden.
Daher wird diese Einheit manchmal noch in Frankreich
"
millième
Rimailho" genannt.
*
Französischer
Ingenieur und Offizier (geb, in Paris 1864, gestorben 1954 in
Pont-Erambourg, département Calvados).
- Messung einer Entfernung mittels Strichteilung.
Eine Entfernung kann durch sogenanntes Vor- bzw.
Rückwärtsabschneiden oder
Seitwärtseinschneiden gemessen werden.
Vor- und Rückwärtseinschneiden: Zu
ermitteln ist die
Entfernung zwischen dem eigenen Standpunkt A und dem Ziel c. Man
wählt zunächst beiderseits von c zwei Hilfspunkte in
der
Landschaft. Man misst dann an A den Sehwinkel s, den die zwischen den
beiden Hilfspunkten liegende Gerade (a-b) bildet: hier 91 Strich.
Man nähert sich dann von c bis zu einem Punkt B um eine genau
abgemessene Strecke R (beispielsweise 100 m) und mistt erneut den
Sehwinkel s1 der Strecke a-b (hier 99,2 Strich, Zunahme = 8,2 Strich).
Zur Berechnung der Entfernung E (d.h. der unbekannten Strecke B-c) wird
der Wert der Annäherung R (100 m) mit dem Winkel s (91 Strich)
multipliziert und das Ergebnis durch die Winkeldifferenz d (8,2 Strich)
dividiert:
E = R x s / d
100 x 91 / 8,2 = 1100 m.
Addiert man dazu die zuvor zurückgelegte
Annäherungsstrecke (100 m) ergibt dies eine Entfernung E von
1200 m.
Beim Rückwärtsabschneiden verfährt man
umgekehrt und geht vom Beobachtungspunkt rückwärts.
Diese Strecke muss nachher vom Messergebnis abgezogen werden.
(adaptiert nach GALLINGER - 1929, S. 48 - siehe
BÉZARD-Artikel, Bibliographie).
Seitwärtseinschneiden:
- Beispiel: Breite eines Flusses.
Hier wird ein einziger Hilfspunkt benötigt, der sich in einem
Winkel von 100 Strich zur Visierlinie Beobachter-Ziel (A-B) befinden
sollte.
Man misst zuerst den Winkel zwischen dem Ziel und dem markanten Punkt.
Man nähert sich dann von C und peilt erneut aus einer zweiten
Position Ziel und markanten Punkt an. Mit diesen Messungen
(Annäherung und Winkelwerte) verfährt man dann wie
oben.
Man kann auch ohne Berechnung eine gute Schätzung mittels
einer
maßstabgerechten Skizze auf Millimeterpapier erreichen.
Man muss hierfür einen markanten Punkt (C), z.B. einen Baum o.
ä. aus zwei verschiedenen Standpunkten (A und B) anpeilen. Man
notiert zuerst an A die Lage des Objekts bezogen auf den
nächsten
Himmelspunkt und geht seitwärts beispielsweise 100 m bis zum
Hilfspunkt B. Dies ergibt ein Dreieck, dessen Schenkel AC und AB ein
Rechteck bilden sollten. Von B aus peilt man nun den markanten Punkt an
und überträgt den gemessenen Winkel in die Skizze. Da
die
Entfernung AB bekannt ist (beispielsweise 100 m) ergibt sich aus dem
Schnittpunkt der beiden Peillinien eine messbare Gerade AC.
- Spezialeinrichtungen am Kompassdeckel und Zubehör
Einige
Kompasstypen besitzen zusätzlich eine Skala (manche sogar
zwei), die neben einem Visierschlitz im Deckel angebracht ist (sind).
(Beispiel TELEOPTIK M49, Bild rechts - anklicken zum
Vergrößern). Der Kompass muss dann in einem
vorgegebenen Abstand vor dem Auge gehalten werden, beispielsweise 25 cm
oder 50 cm. Hierzu dient eine Kordel, in der ein Knoten an der
entsprechenden Stelle angebracht ist. Die Größe des
anvisierten Objektes wird dann in Strich gemessen.

Beim Bézard BUK
III wurde ein zusätzliches Spezialgerät
verwendet: die sogenannte Messplatte. Es handelte sich um ein aus zwei
8 cm langen Hälften zusammenklappbares Lineal.
Die Skala war in den ersten 100 mm in Strich beziffert und ab cm 11
wieder in Zentimetern - also, so: 0-20-40-...-200-11-12...! |
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Die Messplattte war am Kompass
mittels einer
Schnur befestigt und musste 50 cm vor dem Auge gehalten werden, damit
Ziel und Lineal gesehen werden konnten. Man hielt (als
Rechtshänder) das Lineal in der rechten Faust und brachte die
Linke Seite des Objektes, dessen Entfernung gemessen werden sollte, in
Übereinstimmung mit dem herausragenden Ende des Lineals,
während mit dem Nagel des Daumens das rechte Ende des Objektes
auf
der skala festgehalten wurde (siehe Bild). Voraussetzung für
die
Schätzung der Entfernung ist die ungefähre Kenntnis
der
Größe der einzelnen Objekte. Wenn bei einem Haus von
ungefähr 20 m Breite 20 Striche gemessen wurden, befand sich
das
Haus in 1 km Entfernung, da 1 Strich gleich 1 m in 1 km Entfernung ist,
usw.
(Bild: Rudolf GALLINGER, Der Bézard-Kompass, 1933). |
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