Teil 1 - DIE HIMMELSRICHTUNGEN

(Zum Teil 2 - Die Teilungssysteme bitte hier klicken)

Die ältesten bekannten Bezeichnungen für die vier Himmelsrichtungen (im Mittelmeerraum) stammen aus der Bibel (A.T.) und wurden vor ca. 3500 J. geprägt. Dies waren die natürlichen Grenzen Israels, nämlich die grünen Hügel des Libanon im Norden (auf Hebräisch Tsafon), die trockenen Berge von Edom im Osten (Kedem), die Wüste im Süden (Negew) und das Mittelmeer im Westen  (Yam - das Meer).

Auf den alten Seekarten und Kompassen war der Norden meistens mittels einer heraldischen Lilie symbolisiert. Es wird vermutet, dass die frühen Kompassmacher, die in der Nähe von Neapel arbeiteten, dieses Symbol wählten, weil es das Wappen des französischen Königs (Geschlecht von Anjou) schmückte, dem die Stadt bzw. das Königreich Sizilien damals gehörte. Der Osten, der ja die Richtung der für die Christen heiligen Stadt Jerusalem war, wurde ebenfalls durch ein Kreuz gesondert angegeben. Diese rein religiös motivierte Information wird heutzutage nicht mehr verwendet, es sei denn aus dekorativen Gründen. Die jüngste Verwendung, die uns vorliegt, befand sich auf einer Touristenkarte der Insel Korfu (Griechenland) aus dem Jahr 1990.
Einige Beispiele von Windrosen mit dekorierter OST-Marke auf alten Seekarten und verschiedenen Kompassen:

Seekarte von Puerto Rico
(16. Jh., Süd ist oben)



(Zum Vergrößern, Bilder anklicken)
Portugiesische Karte
(1590)

Spanische Karte
(1583)

Niederländische Karte
(ca. 1700)

Touristenkarte
(Korfu, 1990)


Schiffskompass von
J. B. Leroy, Jersey


Schiffskompass von
David Stalker, Leith



Sonnenuhr von
J. Urings, London



Geologenkompass von
J.& H. M. POOL, Eston, Mass.



(Alle Bilder Jaypee - Privatsammlung)


Die Windrose verdankt ihren Namen der Tatsache, dass auf den alten Kompassrosen die einzelnen Unterteilungen nach den vorherrschenden Winden benannt wurden. Im Mittelmeerraum wurden acht Hauptwindrichtungen ausgewählt und mit ihrem Anfangsbuchstaben auf der Kompassrose vermerkt. Die jeweiligen Sprachen unterschieden sich kaum, sodass der Anfangsbuchstabe immer der gleiche blieb. Die tatsächliche Windrichtung kann in der verschiedenen Teilen des Mittelmeers jedoch sehr unterschiedlich sein. Daher haben diese Bezeichnungen nur eine Bedeutung in bezug auf die magnetische Ausrichtung des Kompasses (Beispiele: s.o. die span. Karte von 1583 und im Abschnitt Marinekompasse die Instrumenten der Herren BAUDUF und ROUX). Die Windbezeichnungen sind auf einigen Karten im Klartext in verschiedenen Sprachen ausgeschrieben wie beispielsw. Lateinisch, Italienisch, Spanisch, Provenzalisch oder Französisch.

Bild rechts : Windrose - Dieser Kupferstich wurde einem in Neapel 1794 nachgedruckten älteren Buch des französischen Kartographen Nicolas Sanson d'Abbeville (1600/1667) entnommen (zum Vergrößerm, Bild anklicken).

Die rechts abgebildete Windrose trägt außerdem Windnamen für die weiteren Unterteilungen* (32stel des Kreisumfangs) wie z.B. aquilin oder zéphyr, die allen Frankophilen aus der Fabel von La Fontaine Le chêne et le roseau bekannt sind: " Tout vous est aquilin / Tout me semble zéphyr. " (Die Eiche und das Schilfrohr: ... Und da, wo ich im Zephir schwebe / Ist dir's, als ob der Nordwind schnaubt).
* s. Teil 2 - Die Teilungssysteme.

Die Anfangsbuchstaben waren (im Uhrzeigersinn und in Schritten von jeweils 45 Grad):
- im Norden das T von Tramontane, wenn keine Lilie dargestellt wurde. Manche Autoren vermuten, dass die Lilie durch eine Verformung des T entstand. Weitere Namen: bise (kalter Nordwind auf Französisch), septentrio (Latein). Es folgen dann:
- im N-O das G von Grec, Graeco, ein von Griechenland in Richtung Italien wehender Wind,
- im Osten ein E für ESTE (s. o. Karte von Puerto Rico) oder ein Kreuz für die Lage von Jerusalem oder auch das Wort für Sonnenaufgang levante,
- im S-O das S von Scirocco, ein warmer aus Afrika wehender Wind,
- im Süden das O von Ostro, (andere Namen: meridio, vent marin, de midi, mezzogiorno),
- im S-W das L von Libeccio, labech, lebeche, ein Wind, der Quer über Italien und Korsika weht,
- im Westen das P von Ponant, ponente (untergehende Sonne),
- im N-W das M von Maestro, Maestrale, Mistral (starker böiger Wind).
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DIE NAMEN DER HIMMELSRICHTUNGEN IN EINIGEN SPRACHEN

Bevor die heute quasi einheitlich internationale englische Schreibweise der Himmelsrichtungen (N = North, E = East, S = South, W = West) sich durchgesetzt hatte, wurden diese in der westlichen Welt zuerst mithilfe der abgekürzten lateinischen Begriffen angegeben (s. Tabelle 1. Reihe). Danach wurden sie in den meisten Ländern in der jeweiligen Landessprache angegeben. Hier einige Beispiele:

LATEIN ARABISCH BULGARISCH CHINESISCH DÄNISCH DEUTSCH
FRANZÖSISCH INDIEN JAPANISCH NIEDERLÄNDISCH POLNISCH RUMÄNISCH
RUSSISCH SCHWEDISCH SERBO-KROATISCH (Jugosl.) TSCHECHISCH TÜRKISCH UNGARISCH

LATEIN

Nord: SE = septentriones
Ost: OR = oriens
Süd: ME = meridies
West: OC = occidens

Foto li.: E. Tulchinsky - seattlesbestart, Augsburg-Typ Sonnenuhr von J. A. Schöner

Foto re.: Ansicht von Schloss Rainkam (Bayern) mit einer Kompassskizze, Michael Wening, 1701 (Foto Jaypee - zum Vergrößern, Bild anklicken)



ARABISCH

Nord: schamal, ursprünglich scham-al = eine Statue / ein Gott, die sich im Norden Arabiens befand
Ost: scharq (q = hartes k), urspr. schoroq = Sonnenaufgang
Süd: dzanoub, urspr. dzanb = Seite
West: raRb (das 1. r wird wie im Deutschen, das 2. wie im Spanischen gerollt ausgesprochen), urspr. ghorob = Sonnenuntergang
(Quelle: Yahoo! Q/A - Hakim)

S.a.
Religion (Islam)
Anderes Beispiel:  OMI (Saudi-Arabien)
pts_card_arab
   

In der obigen Skizze ist Osten mit dem Buchstaben Q für Qibla geschrieben, während auf dem Bild des Kompasse der Buchstabe Schin für Nord und Ost verwendet wurde.

BULGARISCH

Wie Russisch (s.u.), mit einer Ausnahme: die Himmelsrichtung Osten heißt (Aussprache: istok) anstelle von BOCTOK (Aussprache: wostok).
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CHINESISCH (= Japanisch)

Wir haben die verschiedenen Systeme zur Aufteilung des Horizonts in der Kategorie RELIGION / Chinesische Tradition und Marinekompasse/ China zusammengefasst .
Traditionelle Symbole in der Astronomie:
Norden = schwarze Schildkröte; Osten = blauer Drache; Süden = roter Vogel; Westen = weißer Tiger.
Nachstehend: auf Kompassrosen stehende Schriftzeichen. Anm.: Die phonetische Transkription kann stark variieren - vgl. die Übersicht in Lettre à M. le Baron A. von Humbodt sur l'invention de la boussole (J. Klaproth, 1834).
(links: klassisch, rechts: modern - die Zeichen werden vom Zentrum aus gelesen)  


(Zum Vergrößern, Bild oben anklicken)
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DÄNISCH

Nord : norden
Ost : øst
Süd : syd
West : vest

DEUTSCH

Nord
Ost
Süd
West

Anm.: Dieser Kompass weist eine Teilung in 6400 Strich auf
(Erläuterung: s. Teilungen).

FRANZÖSISCH

Nord - Est - Sud - Ouest
Diese Schreibweise gilt übrigens für die anderen romanischen Sprachen wie Spanisch, Italienisch, Portugiesisch.

INDIEN

Nord: ...
Ost: ...
Süd: ...
West: ...

Auf diesem Kompass sind drei Himmelsrichtungen (nur O, S und W, da Nord durch eine Lilie dargestelllt wird) in zwei indischen Sprachen, nämlich Urdu und Sanskrit angegeben.
 
(Foto The Boreal Arrow)
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JAPANISCH (= Chinesisch)

(S. Beisp. in Armbandkompasse, Japan)

NIEDERLÄNDISCH (Holländisch)

Wie Deutsch ausgenommen Süden: Zuiden

POLNISCH

Nord = PÓŁNOC
Ost = WSCHÓD
Süd = POŁUDNIE
West = ZACHÓD

RUMÄNISCH

Nord - Est - Sud - Vest

(IOR-Version, s. a. Bézard)

Anm.: Dieser Kompass weist eine Teilung in 6000 Strich auf
(Erläuterung: s. Teilungen).

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RUSSISCH

(Lautschrift in lateinischen Buchstaben ist Englisch - Vgl. mit Bulgarisch und Serbokroatisch)


SCHWEDISCH

Nord: norden
Ost: öster
Süd: söder
West: väster

Anm.: Dieser Kompass weist eine Teilung in 6300 Strich auf
(Erläuterung: s. Teilungen sowie SILVA).

SERBO-KROATISCH

Nord:     sever
Ost:        istok
Süd:       jug
West:     zapad

(l. lateinische/r. kyrillische Schrift)

TSCHECHISCH

Nord = SEVERNÍ
Ost = VÝCHOD
Süd = JIH
West = ZAPÁD

TÜRKISCH


In der Türkei wurden nacheinander drei Systeme verwendet: in ottomannischer Zeit wurde das arabische Alphabet verwendet. Nach der türkischen Revolution wurde das lateinische Alphabet eingeführt und einige Wörter der Sprache ersetzt. Die Himmelsrichtungen gehörten dazu.  
Je nach Transkription kann die Schreibweise leicht abweichen:

Engl./Alttürk. (Arab.)/Alttürk (Lat.)Neuttürk.

(Quelle: Wikipedia - Zum Vergrößern, Bild anklicken)
.


Die Himmelsrichtungen in der alten türkischer Sprache in arabischer Schrift auf einem altem Kompass (s. Bild rechts) mit engl. Äquivalent.
Der Norden wird hier durch eine heraldische Lilie gekennzeichnet.

Vgl. mit ARABISCH (oben)



Foto Kornelia Takacs
Deutsch / Alttürkisch / Neutürkisch
 
Nord = Şimal (Ş) / Kuzey (K)
Ost = Şark (SK) / Doğu (D)
Süd = Cenup (C) / Güney (G)
West = Garp (GP) / Batý (B)





Die Himmelsrichtungen (nur N, O und W) in Alttürkisch aber in lateinischen Buchstaben auf einem Bézard-Kompass (1930er J.).

Anm.: Wir besitzen leider kein Bild eines Kompasses mit Himmelsrichtungen in Neutürkisch.

Vielen Dank für die Zusendung eines Bildes (oder noch besser, eines echten Kompasses!)

UNGARISCH

Nord: észak
Ost: kelet
Süd: dél
West: nyugat

Militärmodell der Fa. GAMMA:
Null ist bei Süden (D) und Nord (É) bei 32oo Strich.
Erläuterunge: Siehe unter BÉZARD
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