KURZE ÜBERSICHT DER VON DEN
ALLIIERTEN FLIEGERN WÄHREND DES II. WELTKRIEGES VERWENDETEN
FLUCHTHILFEKOMPASSEN
Während des 2. Weltkrieges versuchten die Geheimdienste der
Alliierten und allen voran das Department M.I.9 (Military Intelligence,
Agentensteuerung und Rückführung von
Militärs aus dem
Einflussbereich der Achsenmächte) den über
Deutschland oder
den durch die Achsenmächte besetzten Gebieten eingesetzten
Fliegern Mittel an die Hand zu geben, um ihnen im Falle einer
Notlandung, eines Absturzes oder der Gefangennahme die
Rückkehr in
die Heimat zu ermöglichen.
Zu diesem Zweck entwickelten sie zahlreiche Möglichkeiten um
Kompasse und Landkarten sowie Lebensmittel, Metallsägen,
Radioapparate usw. in der Missionsausrüstung zu verstecken (so
genanntes
pre-capture
Material). So gab es Uniformen, die sich leicht umdrehen und bei
schneller Entfernung aller Abzeichen schnell in zivile Kleidung
verwandeln ließen oder auch Stiefel, die durch Trennen einer
Naht
zu unauffälligen Stadtschuhen wurden. Das M.I.9 sandte auch
den
Kriegsgefangenen in Offizierslagern (
Offlag)
über Tarn-Hilfsorganisationen Päckchen mit
Fluchthilfematerial (
post-capture).
Jedes 5. Päckchen enthielt Instrumente, die in scheinbar
harmlosen
alltäglichen Gegenständen wie Zahnbürsten,
Bleistiften
oder Büchern versteckt waren. Die englischen Begriffe waren
dove
(Taube) für die "leeren" Päkchen bzw.
naughty
(böse) für diejenigen mit heißer Ware.
Ein 1942 verfasster Bericht (
Per Ardua Libertas d.h.
"durch Schwierigkeiten zur Freiheit") gibt eine Übersicht
aller (?) technischen Lösungen.
Wir behandeln nachstehend lediglich die Orientierungsmittel wie
Kompasse und Landkarten (siehe hierzu auf der Website
Florizel)
den Abschnitt über Landkarten aus Seide).
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Es gab
viele Typen so genannter escape compasses
(Notkompasse als Fluchthilfe). Sie gehörten zur Ausstattung
der
Besatzungsmitglieder der Royal Air Force (R.A.F.) bzw. der Royal
Canadian Air Force (RCAF) sowie der Seeleute der Royal Navy und sollten
abgeschossenen Piloten bzw. Kriegsgefangenen auf der Flucht eine grobe
Orientierungsinformation geben. Sie gehörten zum sogenannten escape
pack (Fluchthilfekasten), der vor jedem Einsatz vom
Aufklärungsoffizier des Geschwaders ausgegeben wurde (links:
ein früher "WWII RAF escape ration and survival pack" mit
Minikompass).
Aufgrund ihres hohen Wertes (Devisen) wurden sie nach der
Rückkehr
der Besatzungen wieder eingesammelt. Sie mussten auch in
Abhängigkeit von den Einsatzgebieten aktualisiert werden, da
sie
u.a. auch auf Seide gedruckte Landeskarten enthielten (rechts:
Banknoten und Karte von Frankreich und Italien - FI). Sie wurden
anscheinend auch an die Army Special Forces ausgegeben.
(Beide Fotos: Copyright Kerry FOSTER) |
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Für
mehr Informationen kann man eine ausführliche Beschreibung
dieser
Kompasstypen kann man auf der Website (in englischer Sprache)
www.parachutist.be/escapecompasses.html
nachlesen.
Bild rechts: Fluchthilfekompasse aus dem 1. Weltkrieg von F.
BARKER (Bild wurde von einem anonymen Sammler geschickt)
ACHTUNG FÄLSCHUNGEN! BITTE VOR DEM KAUF EINES
RAF-KNOPF-KOMPASSES SORGFÄLTIG LESEN!
Kleine, nicht ausführliche Aufzählung:
1. Ein Miniaturkompass, der in der hohlen Ferse eines Fliegerstiefels
versteckt war.
2. Ein anderer, der in der Unterhälfte eines Knopfes der
Uniform
Nr. 1 (s. Anm.) versteckt war. Der Knopf konnte auseinander geschraubt
werden (zuerst mit Rechtsgewinde, später mit Linksgewinde als
bekannt wurde, dass die Deutschen dahinter gekommen waren...). Davon
gab es viele Varianten: Die Firmen B'HAM Buttons Ltd., FIRMIN und J. R.
GAULT verwendeten unterschiedlich große Kompasse, so dass
zwischen der Außenwand des Knopfes und dem Kompass ein
Zwischenraum bestehen kann. Viele Imitationen werden heutzutage
angeboten.
3. Ein anderer bestand aus zwei HosenlatzKnöpfen: der eine
hatte
eine Spitze und fungierte als die untere Hälfte, auf der der
zweite (magnetisierte) rotieren konnte.
4. Ein Bakelitknopf mit einem Magnetischen Teil.
5. Ein Teil der Gürtelschließe von der Jacke
(Blouson).
6. Eine Rasierklinge für Seeleute der Royal Navy, die nicht
unmittelbar als Kompass zu erkennen war.
Anm.: Die Uniform Nr. 1 (Home Dress) war für Paraden und
offizielle Anlässe. Sie bestand u.a. aus einer Jacke mit
Gürgel mit Messingknöpfen vorn und an den
Brusttaschen. Der
Gürtel hatte auch einen Messingkoppel. Am Anfang des Krieges
trugen sie die Besatzungen der Bomber und Kampfflugzeuge, aber sie
trugen später einen Flieger-Kampfanzug (battledress, No2
dress),
dessen Jacke im Rücken mit der Hose geknöpft war. Sie
hatte
schwarze Kunststoffknöpfe. Der Fluchthilfe-Kompass
für den
Kampfanzug war zerlegt in zwei Knöpfen versteckt. Die
Besatzungen,
die in tropischen Ländern eingesetzt waren, trugen sogenannte
KD-Uniformen mit schwarzen Knöpfen und Gürteln. Anzug
Nr. 5
war für die Offiziersmesse reserviert.
Der berühmteste Typ: als
Teil eines Uniformenknopfes konzipierter Minikompass.
(Zum vergrößern,
Bilder anklicken)


Bild rechts: typische Besatzung
eines Bombers in No1 Uniform. Der Kompassknopf war einer der mittleren.
Die Besatzungsmitglieder trugen darüber eine dicke mit Fell
gefütterte Jacke, Stiefel usw. Ihr Flugzeug im Hintergrund ist
eine Vickers Wellington V-Victor (1940 - Fotos Michael Curtis). |
Die klassische Form der
Magnetnadel: ein quasi quadratisches Plättchen mit acht
Spitzen und einer roten Ecke

Datenblatt
- Durchmesser: 15 mm
- Höhe: 4 mm
- Gewicht: 2 g |
Ein anderes Design: eine Scheibe
mit vier großen Löchern und zwei kleineren, die auf
einer radialen Linie in Richtung Norden ausgerichtet sind:
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(Foto copyright John) |

(Foto copyright John) |
Beispiele echter
Fluchthilfe-Kompasse: merke die Größe des Kompasses
im Knopf und das Gewinde am Knopfrand.
(Zum Vergrößern,
Bilder anklicken) |

Bakelit-Knopf an einem Faden hängend: die zwei
Radiumfarbe-Punkte zeigen nach Norden.

Hosenschlitzknopf, oberer Knopf, magnetisch. Ein anderer Knopf mit
einer Spitze in der Mitte war der Drehzapfen. |

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Diese Rasierklinge ist in
Wirklichkeit eine Magnetnadel. Auf eine Wasseroberfläche (z.B.
in einem Glas Wasser) gelegt, dreht sie sich so, dass die beiden Pfeile
(die so genannten crow feet, d.h.
"Krähenfüsse", Symbol des britischen
Kriegministeriums, War Department arrow) nach Norden zeigen. |
Zeitgenössischer
NATO-Miniaturkompass als Halsband konzipiert.
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NATO Stock Number und "Gefahr durch Strahlung"-Warnhinweis an der
Rückseite. |
Datenblatt
Hersteller: Waltham C. Co
- Durchmesser: 15 mm
- Höhe: 4 mm
- Gewicht: 2 gr
- Leuchtende Marschrichtungslinie auf dem Glas
(Zum vergrößern,
Bilder anklicken) |
Gürtelschließe für Fliegerblouson
Die o.g. Website THE PARACHUTIST schreibt hierzu:
"Die früheren Fliegerblousons der RAF-Uniform hatten zum
Schließen in Hüfthöhe eine gezahnte
Gürtelschließe aus nichteisenhaltigem Metall. Der
Kompassteil bestand aus einer pfeilförmigen Magnetnadel, die
hinter einem Querbalken versteckt war. Der Drehzapfen war im
Ruhezustand zurückgeklappt und lag unter einem Schiebeteil. Um
den
Kompass zu benutzen musste nur das Schiebeteil zurückgeschoben
werden. Damit wurde die Nadel frei und der Zapfen richtete sich auf.
Auf einer stabilen Fläche gelegt konnte die Nadel auf den
Zapfen
gestellt werden. Die mit Punkten aus radiumhaltiger Farbe versehene
Spitze zeigte nach Norden".

In dieser
Gürtelschließe war eine Magnetnadel unter einem
Schiebeteil verborgen.

Foto Copyright Kerry FOSTER |
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Bild anklicken für
Detailansicht der
geöffneten Schließe |
Verschiedene Verstecke für Landkarten
(Die Bilder sind dem Bericht
Per Ardua Libertas
entnommen)

Schälbare Spielkarten. Der
Joker enthält den Schlüssel für die
Zusammenstellung der Gesamtkarte.

In einer Zigarre zussammengerollte
Landkarte. |

(Zum Vergrößern,
Bild anklicken)
In einem Bleistift anstelle der Graphitmine zusammengerollte Landkarte. |

Mit unsichtbarer Tinte bedruckte
Taschentücher:
das Muster erscheint erst beim Waschen mit einer auch versteckten
Chemikalie. |
Verschiedene Verstecke für Kompasse
(Die Bilder sind dem Bericht
Per Ardua Libertas
entnommen)

In einer Zahnbürste bzw.
einem Bleistift versteckte Magnetnadeln.

Solche Magnetnadeln sollten an einem
Faden aufgehängt werden. |

In einem Füllfederhalter
versteckter Kompass. |

In einem Manschettenknopf
versteckter Kompass. |

Magnetisierte Halteklammer
für Bleistifte. |