INHALTSVERZEICHNIS
Zur eigenen Orientierung im Raum gehört zuerst die Kenntnis
der
eigenen Blickrichtung in Bezug auf eine festgelegte Referenz.
Die erste Teilung des Raumes um den eigenen Körper herum
gründet auf den vier physikalisch unmittelbar
fühlbaren
Richtungen nämlich vor und hinter sich sowie links und rechts
von
sich. Dies ergibt vier Viertel (1/4). Von diesem Punkt aus wird ein
Kreis um den eigenen Körper
herum
definiert und die anderen erwähnten Richtungen -
nämlich die
Position der Sonne an bestimmten Tagen des Jahres - darin eingebaut.
Daraus ergeben sich vier gleich große, so genannte
Himmelsrichtungen.
Jedes Viertel can wiederum halbiert werden, was Achtel ergibt, jedes
Achtel
ebenso (1/16) und so weiter (1/32). Die meisten älteren
Kompasse und Seekarten weisen eine in 32 Punkte geteilte "Windrose"
auf. Ist die Windrose groß genug um noch mehr Details
zeichnen zu
können, so kann man die 32stel noch einmal halbieren und somit
den
Kreisumfang in 64stel teilen. Diese Zahl findet sich beim Artillerie
"Strich" wieder, (s.u.). Dieser halbe Punkt wurde auch halbiert und es
ergaben sich 128 Viertelpunkte. Die entsprechenden Steuerkommandos sind
in der englischsprachigen Version von Wikipedia "Points of the compass
/ Half- and quarter-points" zu lesen.
Die große Ungenauigkeit der
Kurshaltung auf einem schwankenden Schiff macht jedoch eine solche
Präzision meistens überflüssig. Der
Kreis kann aber in andere, aus mathematischen Berechnungen
resultierenden Einheiten geteilt werden.
Für die Navigation braucht man d.w. Bezugspunkte. Ein
möglicher Bezugspunkt kann die Position der Sonne
im Laufe des Tages sein:
Aufgang im Osten, Höchststand am Himmel (Süden) und
Untergang im Westen. Diese Punkte sind
aber
aufgrund der durch die tägliche Variation bedingten Dynamik
sehr
ungenau. Stetig aus der selben Richtung an einem Bestimmten Ort
bläsende Winde können
ebenfalls
als Referenzen zugrunde gelegt werden (Windrose).
Der einzige optisch
unveränderliche Bezugspunkt jedoch ist der
Polarstern (bzw. das Kreuz des Südens). Nach der Entdeckung
der
Eigenschaften von (mit Hilfe des Magnetit-Gesteins)
magnetisierten Metallen sich selbständig entlang einer
Nordsüdachse auszurichten, bzw. auf den Polarstern (Nordpol)
zu
zeigen wurde diese Methode bevorzugt.
DIE VERSCHIEDENEN EINHEITEN:
STRICH (traditionelle Seefahrt), GRAD, GON, STRICH
(Artillerie)
(Für
den
STRICH als Winkeleinheit in der Artillerie
(6400') s.
weiter unten)
Dieser Begriff (rhumb
in englischer und
französischer Sprache)
bezeichnet die Teilstriche des Kreises. Wenn ein Kreis
gemäß den 32 Windrichtungen geteilt wird, umfasst
jede
Unterteilung ("Strich") einen Winkel von (360/32 =) 11° 15'.
Bild
r.: Kompassrose aus dem 18. Jh. im Museum
der Börse in Marseille - Zum
Vergrößern, Bild anklicken
Anm.: Der Übergang von
der
Unterteilung der Strichrose zur
Gradrose in der deutschen Marine war Anlass zu heftigen
Diskussionen in der 1.
Hälfte des XX. Jahrhunderts. Es ging primär darum, welche
Subdivision graphisch hervorzuheben sei, damit der Schiffsführer
dem Steuermann einfach zu verfolgende Steuerkommandos geben konnte
entspr. den bisher üblichen wie z.B. "Nord bei Nord-West". Ca.
Mitte des 18. Jhdt. wurden die 32 "Punkte" der klassischen Windrose
unterteilt (vier Viertel), so dass insgesamt 128 Steuerbefehle
gegeben werden konnten (s. Wikipedia Half- and quarter points). Es gab
bereits die
eindeutige Formulierung mit der Quadrantenrose (s.u., N46°E).
Mehrere
Vorschläge wurden ausgearbeitet um die beiden Systeme miteinander
zu kombinieren. Kapitän J. Bortfeldt,
Herausgeber des Norddeutschen Lloyd. schlug 1892 vor, eine neuartige
Gradrose zu verwenden, um Umrechnungsfehler zu
vermeiden (Auszug
aus Hansa, S. 205), da die Daten auf den Karten und auf der
Kompassrose in der gleichen Einheit ausgedrückt würden. Ein
Herr G. v. Hütschler
aus
Bremerhaven schlug 1901 eine "UNION"
genannte Rose mit nur 320 Teilstrichen vor. Im selben Jahr wurde vom U.S. Hydrographic Office
in den
Pilot Charts für den Monat März ein Vorschlag
für eine Gradrose unterbreitet. Admiralitätsrat Dr. Maurer erfand
1912 die sog. Schubrose,
wobei 1 Schub
= 15 Grad
entsprach, unterteilt in drei 5°-Intervallen, die jeweils in der
Mitte
durch unterschiedliche Hervorhebung
zweier Teilstriche dargestellt wurde. Die
Deutsch-Australische
Dampfschiffs-Gesellschaft bevorzugte eine andere Lösung (die sog. Australrose).
Entschieden wurde die Frage erst 1941 mit der Einführung
der Gradrose (Quelle:
HANSA
-
Deutsche Nautische Zeitschrift - komplette Beschreibung online bei
digiview.bgv.de). |
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STRICH plus nicht
lineare Werte
Auf manchen Karten aus dem 16. Jhdt. sind Windrosen
dargestellt, die von einer
nicht linearen Skala umgeben sind z.B. West und Ost bei Null (bzw. zwei
Nullen für unendlich),
Nord und Süd bei 17½ und dazwischen
die Werte 18, 19, 21,
25,
31½, 46 und 88 (s. Bild r.). Es handelt sich hier um
Entfernungen in alten Seemeilen (1/20tel eines Grads des Erdumfangs
bzw. 3 nautical miles oder 5,5 km), die das Schiff segeln muss, um eine
Entfernung von 1° geogaphischer Breite zurückzulegen.
Die niedrigste Zahl (17½) entspricht einem Kurs auf der direktesten
Linie senkrecht zum Äquator (N-S) und die höchste (88) einem Kurs in
flachem Winkel zum Äquator d.h. nahe der W-O-Richtung. Solche
Rosen findet man in Les
premières oeuvres de Jacques Devaulx (Le
Havre, 1583) dem Werk eines
französischen Seelotsen und Kartographen (Link zur Website der
französischen Bibliothèque Nationale GALLICA).
Eine faksimile Ausg. wurde unter dem Titel Nautical Works mit engl. und
deutschen Kommentaren veröffentlicht.
Bild r.: Denis de Rotis, 1674,
Carte de l'Atlantique nord, Quelle Gallica

Foto links. J. Eichhorn: Kompassrose
an einer Wand im Flughafen in Macao - Zum
Vergrößern, Bilder anklicken
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Der Grad ist die bekannteste Winkelteilung des Kreises. Es wurde zuerst
von Ptolemäus in seinem Astronomie-Kompendium Almagest
verwendet
und entspricht einem 360stel des Kreisumfanges. Diese Zahl ist
abgeleitet von der Beobachtung der scheinbaren bewegung der
Sonne
am Horizont im Laufe eines kompletten Jahres (365,25) und war
seit der
Antike in vielen Zivilisationen bekannt.
Eine besondere, lange Zeit sowohl bei großen
Geologen- als auch bei kleinen Taschenkompassen
benutze Variante, bestand
in der Teilung des Kreises in vier Quadrante à je
90°, wobei der Wert Null jeweils bei Nord und Süd lag.
Die Richtungen wurden in kleinen Winkelgrößen ab der
am nächsten liegenden Null zusammen mit der jeweiligen
Himmelsrichtung angegeben.
Beispiel: 190 Grad heißt dann 10 Grad
SW.
Bild
r.:
Taschenkompass, ca. 1850 (Zum
Vergrößern, Bild anklicken)
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Dieses Maß ist die Übertragung des zur Zeit der
französischen Revolution festgelegten metrischen (dezimal-)
Systems auf die Teilung des
Kreises:
ein rechter Winkel misst hiermit 100 Gon, der Kreisumfang
beträgt
daher
400 Gon. Diese Teilung ist die offizielle Einheit in Frankreich bei
allen geodätischen Arbeiten. Man kann sie auf
vielen
französischen Kompassen aber auch am italienischen STOPPANI,
an schweizerischen MERIDIAN-Instrumenten
oder
an den Produkten der Firmen Breithaupt oder FPM beobachten. Der Gon war
ab 1921 die offizielle Maßeinheit in der
französischen Armee (Bulletin
Officiel vom 11.
September
1921). 1899 waren in Frankreich Versuche mit Schiffen
geplant, die Kompasse,
Karten,
usw.
mit metrischen Einheiten mitführten (s. Revue
du Cercle Militaire Nr. 21, S. 551, vom 27. Mai 1889), was
aber
sofort abgeblockt wurde, vermutlich, weil die übrige Welt nur
Seekarten und Kompasse sowie weitere Unterlagen erstellt und benutzt,
die die 360°-Teilung aufweisen. |

Französischer
Marschkompass Modèle 1922
mit 400 Gon-Teilung |
Französische, deutsche und österreichische
Grubenkompasse
wiesen bis zur Mitte des 19. Jh. eine Skala in 24 oder 2 x
12 Stunden (mit
Himmelsrichtungen auf Lateinisch, Link
zu Abb.)
auf, später zusammen mit einer 360°-Teilung (s.
BREITHAUPT, ROSPINI,
ROST, STUDER).
- Beschreibung in französischer Sprache in L'art
d'exploiter les
mines de charbon de terre, M.
MORAND, 1768, als pdf auf der
Website BnF Gallica, Artikel Platteau
(S. 213-214)
Bild
rechts: Abb. auf S. Pl.
VI
- Eine Beschreibung noch älterer Grubenkompasse ist zu lesen
in Boussoles des mines des XVIe et XVIIe
siècles
(insb. letzter Absatz auf S. 620).
- Erläuterung: "Die
Stunde (lat.
hora) war die Einheit der alten
Kompassteilung; sie ist
gleich 15°, also gleich dem Winkel, um den sich die Erde in
einer
Stunde dreht. Die Stunde ist in Achtel mit Unterabteilungen geteilt, so
dass man durch
Schätzung Sechzehntel-Achtel oder
Zwölftel-Sechzehntel erhält. Für
markscheiderische Messungen ist die Stundenteilung der Gradteilung
gewichen; dagegen ist beim Geognosierkompass vielfach die zweimal auf
zwölf Stunden gehende Teilung gebräuchlich. Der
Markscheider gebraucht
den Ausdruck »die Stunde hängen«
für die Abgabe der Richtung
aufzufahrender Strecken im Bergwerke."
(Quelle:
Brathuhn,
Lehrbuch der Markscheidekunst, 4. Aufl., Leipzig 1908). |

Teilkreis
eines Grubenkompasses (2 x 12 Std.), ca. 1750.
(Zum
Vergrößern, Bild anklicken) |
Eine weitere Teilungseinheit ist der sogenannte Artillerie-STRICH. Es
ist ein Hilfsmittel für die Messung von Entfernungen (bei
bekannnter
Größe) bzw.
von Objektgrößen (bei bekannter Entfernung). Sie ist
vermutlich in Frankreich entstanden und wird seit dem
späten 19. Jh. meistens vom Militär verwendet. Ein
Strich ist der Winkel, unter dem ein Gegenstand von einem Meter
Länge in einer Entfernung von einem Kilometer betrachtet wird.
Sein
offizielles Symbol in Frankreich ist der Buchstabe "m" mit einem um 30
Grad geneigten
querstrich (

).
Der Buchstabe "m" steht für das französische Wort
millième" (wortwörtlich "Tausendstel"). In der
angelsächsischen Welt wird das Wort "Mils" verwendet. Auf
älteren deutschen Kompassen war er mittels eines
Apostrophs
(') wie in der Dokumentation zum Bézard-Kompass oder eines
hochgestellten Minus-Zeichens dargestellt.
Artillerie-Kompass
(Deutschland, 2. WK)
Teilkreis in 10 Strich- Schritten
Zum Vergrößern, Bilder anklicken
|
Umrechnungstabelle
auf der
Rückseite
eines deutschen Kompasses der leichten Artillerie
(Beschr.: siehe X,= Hersteller unbekannt)

Spalten-Überschriften:
- Grad G
/ % (= Gon / Prozent)
- Strich —
- Grad ° |
Marschkompass
Modell 1922
(Frankreich, 2. WK)
|
Konversionstabelle
eines
französischen
Marschkompasses Mle 1922 (Houlliot-Version, 1933)

Abkürzungen (rechts neben den Skalen):
"D" für degré
(Grad)
"G" für grade
(gon)
"M" für millième
(Strich). |
Erläuterung: Der Kreisumfang beträgt 2 π (pi) radian =
360 Grad. Der Strich ist
ein Tausendstel Radian. Genau gerechnet ergibt dies
6283
Strich. Ein
Gegenstand von 1 m Breite in einer Entfernung von 1 km betrachtet
entspricht 1 Strich. Diese Zahl wurde jedoch für eine
einfachere Berechnung auf
6400
auf-
bzw. 6000 abgerundet. Erstere ist die übliche
Teilung auf den Kompassrosen der NATO und der westlichen Welt.
An der Kompassrose eines Marschkompasses ist eine
solche Präzision nicht Messbar. Die letzten beiden Nullen
werden daher weggelassen (Teilung
0-64, Beispiele weiter unten).
In seltenen Fällen wurde der Teilkreis in Schritten von 10
Strich (siehe den
GOERZ-Kompass)
geteilt.
OST und WEST vertauscht auf alten deutschen und aktuellen U.S. amerikanischen KompassenAuf
den alten im deutschsprachigen alpinen Raum inklusive Österreich
und Schweiz verwendeten Landvermesser-Kompassen waren die
Himmelsrichtungen OST und WESToft vertauscht (siehe ROSPINI u.a.). Das
rührt daher, dass die Karte bzw. das Arbeitsblatt zuerst
eingenordet werden mussten. Dabei schaute man nach Norden und die
Nadelspitze
deckte sich mit der Null. Wenn man nun ein Objekt links oder rechts
davon anpeilen wollte, drehte man den Kompass in die gewünschte
Richtung und die Nadel wanderte in den Bereich, der auf dem Kompass
entsprechend bezeichnet war, West für eine Drehbewegung nach links
respektive Ost für rechts ! Es hieß dann: objekt liegt bei soundsoviel
Grad Ost bzw. West. Die in Nordamerika ansässigen Kompassmacher
übernahmen meistens diese
Vorgehensweise. Beispiel siehe GURLEY und CHARVOZ. Die
nordamerikanische Armee verwendet weiterhin derartige Kompasse
(Brunton).
ANDERE STRICHTEILUNGEN
-
5760 Strich
Ältere deutsche Artillerie-Kompasse weisen
eine 5760-Strichteilung auf (s. Bild rechts). Dies ergibt sich
aus
der Halbierung des Grads und der Halbierung des Ergebnisses usw.: 1/4,
1/8, 1/16. 360° x 16 = 5760.
Beispiele:
GOERZ
und
ZEISS.
-
6000 Strich
Der frühere "Ostblock" hatte sich hingegen für die
Abrundung auf
6000
entschieden (Teilung 0-60, Beispiele s.
FPM).
Die 6000er-Teilung war von Emile Rimailho* für die von ihm
1904
entwickelte Kanone 155 CTR (
court
à tir rapide /
Kurzes
Rohr,
Schnellfeuer - Vorläufer der späteren
Flugabwehrkanonen,
Flak) verwendet worden.
Daher wird diese Einheit manchmal noch in Frankreich
"
millième
Rimailho" genannt.
-
6300 Strich
Das neutrale Schweden hatte weder das eine noch das andere System
gewählt und verwendete bis vor Kurzem eine Teilung von
6300
Strich (
streck
auf
Schwedisch, Beisp. unter Bézard, LYTH,
NIFE
und
SILVA),
aber seine Armee hat inzwischen das 6400er System
übernommen. Während des 1. Weltkriegs entwickelte
BÜCHI
ein Sitometer mit
6300er Teilung für Dänemark und nannte dies
dänische
Teilung.
Anm.:
Håkan Sahlin, Maj. i.R.
in der schwedischen Artillerie hat uns folgende Information zukommen
lassen:
Die
Vermessungseinheiten der
schwedischen Artillerie verwendet Theodoliten mit Teilung gon
während
die vorgeschobener Artilleriebeobachtern und die Gefechtsbatterien des
schwedischen 'streck' (6300 Strich) verwendet werden.
*
Französischer
Ingenieur und Offizier (geb, in Paris 1864, gestorben 1954 in
Pont-Erambourg, département Calvados).
- Messung einer Entfernung mittels Strichteilung.
Eine Entfernung kann durch sogenanntes Vor- bzw.
Rückwärts- oder
auch Seitwärtseinschneiden gemessen werden.
Vor- und
Rückwärtseinschneiden:
Zu
ermitteln ist die
Entfernung zwischen dem eigenen Standpunkt
A
und dem Ziel
c.
Man
wählt zunächst beiderseits von c zwei Hilfspunkte in
der
Landschaft. Man misst dann an A den Sehwinkel
s,
den die zwischen den
beiden Hilfspunkten liegende Gerade (
a-b)
bildet: hier 91 Strich.
Man nähert sich dann von c bis zu einem Punkt B um eine genau
abgemessene Strecke
Z
(beispielsweise 100 m) und mistt erneut den
Sehwinkel
s1
der Strecke a-b
(hier 99,2 Strich, Zunahme = 8,2 Strich).
Zur Berechnung der Entfernung
X
(d.h. der unbekannten Strecke B-c) wird
der Wert der Annäherung
Z
(100 m) mit dem Winkel s (91 Strich)
multipliziert und das Ergebnis durch die Winkeldifferenz
d
(8,2 Strich)
dividiert:
X = Z x s / d
100 x 91 / 8,2 = 1100 m.
Addiert man dazu die zuvor zurückgelegte
Annäherungsstrecke (100 m) ergibt dies eine Entfernung E von
1200 m.
Beim Rückwärtsabschneiden verfährt man
umgekehrt und geht vom Beobachtungspunkt rückwärts.
Diese Strecke muss nachher vom Messergebnis abgezogen werden.
(adaptiert nach GALLINGER - 1929, S. 48 - siehe
BÉZARD-Artikel, Bibliographie).
Seitwärtseinschneiden:
- Beispiel: Breite eines Flusses.
Hier wird ein einziger Hilfspunkt benötigt, der sich in einem
Winkel von 100 Strich zur Visierlinie Beobachter-Ziel (A-B) befinden
sollte.
Man misst zuerst den Winkel zwischen dem Ziel und dem markanten Punkt.
Man nähert sich dann von C und peilt erneut aus einer zweiten
Position Ziel und markanten Punkt an. Mit diesen Messungen
(Annäherung und Winkelwerte) verfährt man dann wie
oben.
Man kann auch ohne Berechnung eine gute Schätzung mittels
einer
maßstabgerechten Skizze auf Millimeterpapier erreichen.
Man muss hierfür einen markanten Punkt (C), z.B. einen Baum o.
ä. aus zwei verschiedenen Standpunkten (A und B) anpeilen. Man
notiert zuerst an A die Lage des Objekts bezogen auf den
nächsten
Himmelspunkt und geht seitwärts beispielsweise 100 m bis zum
Hilfspunkt B. Dies ergibt ein Dreieck, dessen Schenkel AC und AB ein
Rechteck bilden sollten. Von B aus peilt man nun den markanten Punkt an
und überträgt den gemessenen Winkel in die Skizze. Da
die
Entfernung AB bekannt ist (beispielsweise 100 m) ergibt sich aus dem
Schnittpunkt der beiden Peillinien eine messbare Gerade AC.
- Spezialeinrichtungen am Kompassdeckel und Zubehör
Einige
Kompasstypen besitzen zusätzlich eine Skala (manche sogar
zwei), die neben einem Visierschlitz im Deckel angebracht ist/sind
(Beispiel: Bild rechts). Der Kompass muss dann in einem
vorgegebenen Abstand vor dem Auge gehalten werden, beispielsweise 25 cm
oder 50 cm. Hierzu dient eine Kordel, in der ein Knoten an der
entsprechenden Stelle angebracht ist. Die Größe des
anvisierten Objektes wird dann in Strich gemessen.
Beim Universal
Bézard-Kompass (UBK)
wurde ein
zusätzliches Spezialgerät
verwendet: die sogenannte Messplatte. Es handelte sich um ein aus zwei
8 cm langen Schenkeln bestehendes, zirkelförmiges Lineal.
Die Skala war in den ersten 100 mm in Strich beziffert und ab cm 11
wieder in Zentimetern - also, so: 0-20-40-...-200-11-12...! |

TELEOPTIK
M.49
(Zum
Vergrößern, Bild anklicken) |
Die
Messplattte war am Kompass
mittels einer
Schnur befestigt und musste 50 cm vor dem Auge gehalten werden, damit
Ziel und Lineal gesehen werden konnten. Man hielt (als
Rechtshänder) das Lineal in der rechten Faust und brachte die
Linke Seite des Objektes, dessen Entfernung gemessen werden sollte, in
Übereinstimmung mit dem herausragenden Ende des Lineals,
während mit dem Nagel des Daumens das rechte Ende des Objektes
auf
der skala festgehalten wurde (siehe Bild). Voraussetzung für
die
Schätzung der Entfernung ist die ungefähre Kenntnis
der
Größe der einzelnen Objekte. Wenn bei einem Haus von
ungefähr 20 m Breite 20 Striche gemessen wurden, befand sich
das
Haus in 1 km Entfernung, da 1 Strich gleich 1 m in 1 km Entfernung ist,
usw.
(Bild: Rudolf GALLINGER, Der Bézard-Kompass, 1933). |
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