DAS INTERNET-KOMPASSMUSEUM FREUT
SICH ÜBER JEDE (GESICHERTE)
INFORMATION, DIE GEIGNET IST, DIESEN ARTIKEL ZU ERGÄNZEN bzw.
ZU VERBESSERN.
INSBESONDERE BEITRÄGE ÜBER DIE FERTIGUNGSPERIODEN DER
EINZELNEN MODELLE ODER DIE AUSSTATTUNG DER VERSCHIEDENEN
MILITÄRISCHEN EINHEITEN SIND WERTVOLL. EHEMALIGE MITARBEITER
DER FIRMA G. LUFFT (STUTTGART) ODER ANGEHÖRIGE DER
STREITKRÄFTE (BW / BGS) SIND HERZLICHST EINGELADEN, UNS
ÜBER IHRE ERFAHRUNG ZU BERICHTEN.
KATALOGE UND ALTES WERBEMATERIAL (AUCH ALS FOTOKOPIE) SIND WILLKOMMEN.
EBENSO FREUEN WIR UNS ÜBER HIER EVTL. NICHT BEHANDELTE
NACHAHMUNGEN (siehe IMITATIONSFABRIKATE).
Wer einen Beitrag leisten kann, möchte sich bitte mit
dem Museumskurator über unsere E-mail-Anschrift (siehe
Menüpunkt KONTAKT) in Verbindung
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Vielen Dank im Voraus!
MUSEEN
Bézard-Kompasse können in folgenden Museen
betrachtet werden:
- WIEN:
Heeresgeschichtliches Museum, Militärhistorisches Institut,
Arsenal, Objekt 1 A-1030 Wien (www.hgm.or.at)
INHALT
Dieser Kompass wurde zwar auf den Schachteln gemäß
der Bezeichnung im Patent als
"Diopter-Orientierungsbussole" (nach dem italienischen Wort
für Kompass: bussola) genannt, aber er wurde früh
als "Bézard-Kompass" berühmt. Zuerst in der
kaiserlichen und königlichen (k. u. k.) Armee
Österreich-Ungarns eingesetzt (
Übersicht der
Erlässe: HIER
klicken),
wurde er infolge einer breit
angelegten Werbekampagne und eines nachhaltigen Lobbyings auch in
Deutschland bekannt und eingesetzt (s. Teil 2 - Dokumentation:
Bibliographie
/
Wegerkundung).

In
einem Film aus den frühen 30er Jahren kann man den
österreichisch-ungarischen Grafen László
Ede Almásy sehen, der als Forscher in der Sahara einen
Bézard-Kompass in der Hand hält. Anscheinend
handelt es sich dabei um das Armeemodell 1910 II. Almásy
entdeckte 1930 die Felsmalereien in der libyschen Wüste. Sein
Leben wurde in dem Film
"Der englische Patient"
erzählt
(zum
Vergrößern, Bild anklicken).
Vermutlich handelte es sich jedoch bei der nur wenige Sekunden
dauernden Szene um eine gestellte Einstellung für Werbezwecke.
Ein einwanfreier Peilvorgang dauert wesentlich länger: in
dieser kurzen Zeit kommt nicht einmal die Magnetnadel zum Stehen!
(Dieses Foto stammt aus der
Produktion "Sahara - Das versunkene Paradies" und wurde dem
Internet-Kompassmuseum freundlicherweise von der Firma ScienceVision
zur Verfügung gestellt © www.sciencevision.at.
Ferner wurde darauf hingewiesen, dass es sich hierbei um eine
nachgestellte Szene handelt.)
Im Patent wird ein
Gehäuse aus Holz beschrieben.
Davon sind nur sehr wenige Exemplare erhalten geblieben. Viel
häufiger finden sich Modelle aus einem Material, das in den
Begleitheften des Herstellers als Hartgummi bezeichnet wird
(Naturkautschuk, gehärtet, s. Ebonit in Wikipedia).
Bereits ab 1906 gab es zwei Versionen: eine kleine mit
Holzgehäuse und eine größere mit
Aluminiumgehäuse und Spiegel /sog, "Spiegelmodell 1906"). Sie
wurden vier Jahre später in
Armeemodell 1910 I und II
umbenannt. Vermutlich
bereits während des 1. WK wurden die Gehäuse
aus
einem "Hartgummi" genannten Material hergestellt.
Der Durchmesser der
Kompassrose
betrug 55 mm und das Lineal an der Anlegekante der Deckelbasis
maß 50 mm. Er war in einer zivilen Version (Teilung
der Kompassrose in 360 Grad) und in einer militärischen
Variante (6400 Strich-Teilung) erhältlich. Das kleine Modell
(45 mm Durchmesser, 40 mm Lineal) gab es mit Spiegel
(I S) und ohne Spiegel (I) und war nur mit ziviler Teilung
(360 Grad) erhältlich.
Beide konnten mit rechts- (d.h. im Uhrzeigersinn) oder linksdrehender
(entgegen dem Uhrzeigersinn) Teilung bestellt werden.
Das Urmodell mit
Holzgehäuse
(ca. 1905)
Technische Daten
- Durchmesser: 45 mm
- Breite: 52 mm
Mit Balmain-Leuchtfarbe getränkte Pappe.
Teilung:
- Holzmodell: 5°
- Aluminiummodell: 2°
Gewicht: 37 gr bzw. 75 g
|
Urmodell-Rückseite
mit Patent-Angabe und Pfeil, damals noch sehr klein am Rande neben dem
Wort DIREKTION
Die beiden
Armeemodelle 1910
|
Im 1907er Katalog der
französischen firma S-L (Société
des Lunetiers)
wurden beide Versionen angeboten: Holzgehäuse ohne
Spiegel und
Aluminiumgehäuse mit Spiegel:

Das im Original-Patent beschriebene Instrument wurde u.a. in
Frankreich vom Schiffsuhren-Hersteller J. Auricoste vertrieben
(ob auch hergestellt?), jedoch ohne Angabe des Patents.
|
Gefertigt wurde der Bézard-Kompass von der
damals in Stuttgart ansässigen deutschen Firma Georg LUFFT.
Es gab nacheinander mindestens drei verschiedene Firmenlogos. Das
vermutlich älteste Design stellte ein flaches zylindrisches
Gebilde
dar, auf dessen Randfläche der Name LUFFT stand. Es handelt
sich
um eine aneroid Kapsel für Barometer, da G. Lufft
primär solche
Instrumente baute. Ihm folgte dann
eine ovale
Kartusche, in der die übereinander liegenden Anfangsbuchstaben
(G und L) zwischen den
Schenkeln eines offenen Zirkels (auch Kompass
genannt) eingeschrieben waren.
 |
|

Ein weiteres LUFFT-Logo stellte eine Barometerdruckdose dar.
(s. Beispiel weiter unten Tschechoslowakei)
|
Später ersetzte
LUFFT das GL-Logo durch den
Gründernamen in gotischer Schrift.
Die Produktbezeichnung wechselte (wann?) von PATENT-BÉZARD
in ORIGINAL-BEZARD. Zeitweise (wann?) stand auch nur
Bézard-Kompass. |
(Zum
Vergrößern, Bild anklicken)
|

|
Das Bild von Kompassrose
und Magnetnadel hat
nacheinander zwei grundsätzlich unterschiedliche Formen erlebt.
Die älteste Nadel bestand aus
einem pfeilförmigen Papierzeiger, der auf einer
Magnetnadel mit
Wachs geklebt war. Ab 1913 wurde zusätzlich über dem
Buchstaben
N ein schmaler Strich aus
radiumhaltiger Leuchtfarbe in
Längsrichtung angebracht.
Rechts: Die Lage der Nadel ließ sich auch in der Dunkelheit
gut sehen. Am Pfeilausschnitt des Armeemodells 1910 II R (Radium) sind
zwei Leuchtfarbstriche vorhanden.

Magnetnadel mit Radiummarke
 |

Gemäß der Bézard'schen Terminologie: die
"Zeigerplatte" |
Frühes Modell:
der Pfeil an der Deckel- Innenseite mit Strichen aus radiumhaltiger
Leuchtfarbe.

|
Der Pfeil mit
Nachleuchtfarbe im zuletzt gebauten Modell (Fluid
Bézard).

|
Armeemodell 1910 II mit
voreingestellter Missweisung:
ca. 9 Grad West für Berlin am Anfang des 20. Jh.
 |

Die Kursmarke am Armeemodell II bestand zuerst aus einem roten Strich
auf einem Zelluloidplättchen, das zwischen dem
Spiegelscharnier und dem Gehäuse eingelegt war. |
Beim Modell I ist die Kursmarke eine einfache
Metallspitze.
Bei den späteren Versionen wurde der Papierzeiger durch einen
konventionellen Metallzeiger ersetzt, dessen südliches Ende
allerdings mit einer kleinen runden Scheibe versehen war. Die
Südmarke auf der unteren Zelluloidscheibe war mit einem
Kreis versehen, und es galt, die beiden in Übereinstimmung zu
bringen. |
Die ersten Modelle besaßen einen
Aluminiumdeckel, der leicht Patina ansetzte. Er wurde an
späteren Modellen durch Edelstahl ersetzt. Ab den
Fünfziger Jahren wurde er
Militärgrün lackiert.
An der Deckelaußenseite ist das Wort
DIREKTION (bzw. DIRECTION bei Exportmodellen) eingraviert. Es ist durch
einen
Pfeil in Lese- und Marschrichtung wie durchgestrichen. Eine besondere
Serie (für die Kaiserliche und
Königliche Armee Österreich-Ungarns?) wurde ganz im
Sinne der Germanisierung der deutschen Sprache mit RICHTUNG anstatt
DIREKTION beschriftet, wobei der jeweilige Querstrich vom H und vom T
(in Anlehnung an die Runenschrift?) eine Linie bildete.
An der
Deckel-Innenseite der frühen Modelle befand sich ein mit zwei
Schrauben befestigter
Pfeil aus Pappe, der mit zwei schmalen Strichen aus
radiumhaltiger Leuchtfarbe in
Längsrichtung versehen war. Ein
Sondermodell verfügte über eine
verschiebbare Spitze an der
Außenseite des Deckels, die das Ansetzen des Nullpunktes der
Anlegekante auf der Karte mit großer Genauigkeit
ermöglichte (s. 2. Reihe, Bild rechts).
Die Anlegekante des Deckels besaß ein graviertes Lineal
von 50 mm Länge beim großen Modell
II bzw. 40 mm beim kleinen Modell I.
Leicht korrodierender
Aluminiumdeckel  |
Deckel
aus Edelstahl, großes Modell
Anm.: das,
was wie Punkte vor und hinter dem Wort
RICHTUNG aussieht, ist jeweils das Ende der Befestigungsschrauben des
Pfeils aus Pappe im Deckel.
|
Deckel aus Edelstahl mit
dem Wort DIRECTION
(kleines model, Exportversion, 1930s, französ.
Himmelsrichtungen)
|

Ausziehbare Spitze zum Fixieren der Anlegekante auf einer Position auf
einer Karte. |
 |
Die Visierschlitze des kleinen Modells wurden in der
späteren Ausführung (nach dem 2. Weltkrieg) unten in
einer runden Aussparung wie Kimme und Korn einer Schusswaffe
ausgebildet (Bild links: Modell I S, ca. 1960).
Beim Universal-Bézard-Kompass UBK (s.w.u.) sind
querfäden in den Schlitzen gespannt, um einen
Höhenwinlel anpeilen zu können..
An den Schrauben der Anlenkung sind am großen Modell II
zusätzlich Klammern zur Aufnahme des Radiumlineals angebracht. |
Es gab drei Ausführungen. Beim großen
Armeemodell II war er an einem Scharnier gelötet, dessen
andere Hälfte am Gehäuse verschraubt war.
Die spätere Ausführung des großen Modells
bildet selbst ein Teil des Scharniers (siehe UBK, Bild
rechts).
Er war nicht rund wie beim kleinen Modell, sondern elliptisch mit einer
kleinen Nase, um ihn mit dem Fingernagel leichter anzuheben. Beim
Modell I S (Bild Mitte) war das Gelenk dezentral nahe an der
Deckelanlenkung angebracht. Er besaß außerdem eine
kleine
Aussparung für die Kursmarke.
Das jüngste Modell (UBK fluid) hatte zusätzlich einen
kleinen mondsichelförmigen Einschnitt.
Armeemodell II
 |
Armeemodell I
S
 |
UBK FLUID
|
(Zum Umgang mit der
Strichteilung, siehe
ausführliche Erläuterungen unter VERSCHIEDENES /
Teilungen)
Anscheinend wurden die ersten kleinen Armeemodelle I (1910) mit
Strichteilung
während des 1. WK notdürftig mittels eines
aufgeklebten
Teilkreises aus Papier und einer Tabelle datiert 6.5.15 im
Deckel aufgerüstet (s. Tab.
unten, 1. Reihe).
Beim weiterentwickelten großen Armeemodell II bestand der
aufgesetzte Strichteilkreis aus einer durchnumerierten Aluminiumscheibe
(2. Reihe), die den Gradteilkreis vollkommen überdeckte. Sie
war in ihrer Mitte ausgeschnitten,
um die 360 Grad-Teilung aber nicht die Himmelsrichtungen abzudecken.
Das Glas war nur lose eingelegt und leicht herausnehmar. Dadurch konnte
nicht nur die Strich-Skala bei Bedarf mit dem Nullpunkt bei Norden
oder bei Süden ausgerichtet, sondern auch die Deklination
angepasst werden.
Im ersten Buch des Majors Gallinger
(1929, S. 8, Bild 5, siehe Abschnitt Bibliographie weiter unten)
heißt es, dass die Strichteilung mit Norden bei 3200 und
Süden bei 6400 angeordnet ist, "
zur Übereinstimmung
mit den Richtmitteln der Artillerie und schweren Infanteriewaffen".
Es war damals üblich, den Peilwinkel vom Ziel ausgehend zu
messen.
Daher war die Null bei Süd. Dies kann auch beim
Winterer
Militärkompass beobachtet werden.
Außerdem
ist eine Version des kleinen Armeemodells mit der nur in
Schwedens
Armee üblichen Teilung in
6300 Strich bekannt
(siehe Beispiele unter Lyth und Silva), wobei die Himmelsrichtungen
jedoch in deutscher
Sprache gedruckt sind.
(Foto
r. Mc Caughan - zum Vergrößern, Bild
anklicken).
Beim modernisierten zerlegbaren Modell (späte
1930er Jahre) konnte die Missweisung an den jeweiligen Ort angepasst
werden. Unter der Kompassrose befand sich eine zweite Zelluloidfolie,
auf der nur Leuchtmarken für die Himmelsrichtungen angebracht
waren. Man brauchte nur den Strich für Magnetisch Nord auf den
richtigen Wert zu stellen. Es war jedoch etwas umständlich:
zum Zerlegen der Dose mussten drei Schräubchen und eine
Nutfeder (nicht abgebildet) aus- und wieder eingebaut werden.

Rechts: Eine der drei Schrauben |
Die Marschrichtungsmarke bestnd aus einem roten
Farbstrich auf einem winzigen Zelluloidplättchen, das zwischen
dem Spiegelscharnier und dem Gehäuse eingebaut war.

Bézard-Kompass, zerlegt: unten, die beiden Zelluloidscheiben. |
Am späteren Modell UBK III (ab den
Dreißiger Jahren) konnte die Missweisung schneller umgestellt
werden, indem die untere Zelluloidfolie mit einem (an einer Schnur
befestigten) Stift durch eine kleine Bohrung unterhalb vom Spiegel
festgehalten werden konnte während die Lünette
entsprechend gedreht wurde.

Einstellung der Missweisung mittels Spezialstift am UBK III |
Jakubowskis patent
Ein System zur Festeinstellung der korrigierten
Missweisung
wurde 1933 durch Olgierd Jakubowski (Warschau, Patent
Nr.
20963*) entwickelt. Eine zusätzliche, an der Basis der Kapsel
angebrachte Scheibe konnte um den Wert der Missweisung verstellt und
mittels dreier Schrauben fixiert werden. Das ausziehbare Lineal
wurde anstelle des auf einer Ost-West-Achse ausgerichteten
Querbands des Original- Bézard- Kompasses verwendet. Beim
Hineinschieben hob
das
Lineal die Magnetnadel an und verriegelte sie.
* Deutsche Fassung verfügbar |
 |
Vgl. mit Modell 1922 von DOIGNON
|
In Anlehnung an die Taschenuhren wurden bei den ersten
Modellen runde bzw. ovale Ösen verwendet. Sie waren
für den feldmäßigen Gebrauch doch zu
bruchanfällig und wurden später (nach dem 2.
Weltkrieg) durch einen schlichten, billigeren aber sicherlich
stabileren, angenieteten Bügel ersetzt.
Viele Deckel besaßen noch die vorgesehene Bohrung. |
 |

BGS = früherer Bundesgrenzschutz, jetzt Bundespolizei |
Das anspruchsvollste Modell war der
sogenannte Universal-Bézardkompass (UBK): er
besaß in den vertikalen
Sehschlitzen je ein horizontales Stück Draht, womit optisch
zwei Fadenkreuze entstanden. Mithilfe des im Deckel eingebauten
Pendel-Neigungsmessers und der in der Kompassdose befindlichen
Dosenlibelle konnte man Höhenwinkel messen. Damit war es auch
schon möglich, ein Geschütz grob auszurichten.
Vorbild für den UBK
war höchstwahrscheinlich das Patent Nr. 80134 von Erich Wolf
aus
dem Jahr 1917 für einen Artilleriekompass:

Der UBK II mit Messplatte
|

Umrechnungstabelle, Einsatz der Libelle und Fadenkreuz |
Die Kompassrose
des UBK mit der Libelle

Ausrichten eines Maschinengewehrs mithilfe des Bezard-Kompasses
(Bild anklicken für Detailansicht) |
Die Messplatte

Für die Schätzung oder Messung von Entfernungen gab
es ein spezielles Instrument, die sogenannte Messplatte. Es handelte
sich um ein aus zwei jeweils 80 mm langen Schenkeln
zusammenklappbares Lineal.
Die Skala war in den ersten 100 mm in Strich beziffert und ab
cm 11 wieder in Zentimetern - d.h. wie folgt: 0-20-40-...-200-11-12... |
Die Messplatte war am Kompass mit einer Schnur
befestigt und musste 50 cm vor dem Auge gehalten werden.
Messverfahren: Man hielt (als Rechtshänder) das Lineal in der
rechten Faust und brachte die Linke Seite des Objektes, dessen
Entfernung gemessen werden sollte, in Übereinstimmung mit dem
herausragenden Ende des Lineals, während mit dem Nagel des
Daumens das rechte Ende des Objektes auf der skala festgehalten wurde
(siehe Bild rechts). Voraussetzung für die Schätzung
der Entfernung war die ungefähre Kenntnis der
Größe des jeweiligen Objektes. Wenn bei einem Haus
von ungefähr 20 m Breite 20 Striche gemessen wurden, befand
sich das Haus in 1 km Entfernung, da 1 Strich gleich 1 m in
1 km Entfernung entspricht, usw. Mit vertikal angeordneten
Objekten
verfuhr man entsprechend. |
Bilder aus R. GALLINGERs Buch "Der
Bézard-Kompass" (1933) :
 |
Das von LUFFT zuletzt gefertigte Modell (bis 1996) war der
flüssigkeitsgedämpfte FLUID BÉZARD. Diese
Worte standen im Querband anstelle
der Begriffe ORIGINAL BÉZARD. Es hatte
eine erste Version
gegeben, deren
rot-weiße Magnetnadel vermuten lässt, dass sie in
Zusammenarbeit mit der Fa. WILKIE entstanden war (vgl. mit den Kapseln
einiger
WILKIE-Taschenkompasse
sowie mit dem
PASTO-Fluidmodell).
Von dieser ersten Version sind mindestens zwei Varianten bekannt: die
vermutliche ältere von beiden besaß eine Metalldose
mit
gewelltem Boden ähnlich einem Barometer. Die gleiche Dose is
auch
im deutschen Artilleriekompass unbekannter Herkunft (X - Sitometer).
Die andere war
komplett durchsichtig.
Das spätere Modell war dann
mit der BÉZARD-typischen Magnetnadel mit
Pfeilspitze und
Kreis bestückt. Es wurde in der einfachen zivilen und in der
militärischen UBK-Variante sowie in einer sogenannten
Bundeswehr
('Bw')-Armband-Version produziert. Zusätzlich zur
üblichen Punkt/Kreis-Überlagerung am
Süd-Ende der Magnetnadel war die richtige Lage der Magnetnadel
bei Nord mittels zweier Schrägstriche in Leuchtfarbe
dargestellt, zwischen denen die Nadelspitze sichtbar blieb.
Die älteste: schwarz, gerippt
 |
Die wertvollere:
Braun, glatt, auf Kanten genäht

|
Die vorletzte Version: braun glänzend mit
Pockennarbenmuster
(s. auch Bundeswehr weiter unten)
|
Zu den Kunden zählten einige Armeen Europas.
Das Modell UBK war auch lange Zeit das vom Deutschen Alpenverein (DAV)
bevorzugte
Instrument.
BUND
/ BGS
In Deutschland war
der Deckel jeweils mit BUND
bei der BUNDESWEHR bzw. mit BGS beim
BUNDESGRENZSCHUTZ (heute Bundespolizei) gekennzeichnet.
 |
Teilung am Bundeswehr und
am BGS-Kompass:
6400 Strich

Die Bundeswehr hatte den FLUID-BEZARD. Die Missweisung war
voreingestellt aber nicht verstellbar!
|

Die Bundeswehr-Taschen waren aus Leder mit rotem Filzfutter. Der Fluid
Bézard hatte keine Greifer für Lineal mehr.

S. a. im Kapitel Bibliografie die Bedienungsanleitungen
und eine großformatige Lehrtafel.
Anm.:
Über die Ausstattung der Bw und des BGS (von wann bis wann?)
liegen dem Museum noch keine Daten vor. Ihre Hilfe ist
gefragt.
|
FRANKREICH
(Armée Française, AF)
 |
Den
AF-Bézard-Kompass gab es mit 360 Grad-
und mit 6400 Strichteilung (s. BGS oben).
 |
Ausstattung der
französischen Truppen im
Indochina- und im Algerien-Krieg (jeweils 1946-1954 und 1957-1962)
(ungesicherte Vermutung: von wann bis wann genau? Ihre Hilfe ist
gefragt.)
KOMMENTAR: Eine
interessante Frage stellt sich hier: hat Frankreich nach dem 2.
Weltkrieg diese Kompasse von Lufft zu Sonderbedingungen, vielleicht
sogar als Reparationszahlung gratis bekommen? Das wäre ja voll
zu Lasten der französischen Kompassindustrie gegangen! Also
warum hat Frankreich sie verwendet? Allerdings waren die
französischen Marschkompasse daneben in ihrer Auslegung
vorsintflutlich... (siehe zum Beispiel das französische
Modèle 1922 in der Kategorie Marschkompasse). |
Der Deckel und die Kompassrose der Exportversionen
waren in der jeweiligen Landessprache beschriftet.
Beispiel rechts:
FRANKREICH
(altes Modell): "BREVET BÉZARD"
In den Ländern, in die LUFFT seine Produkte nicht
selbst
exportierte, wurden entsprechende Instrumente durch etablierte
Hersteller unter ihrem eigenen Namen und Logo (in Lizenz?) gefertigt,
wier z.B. Cornelius Knudsen in Dänemark oder GAMMA in
Ungarn.
Andere Kompasse sind nicht absolut identisch und gelten nur als
Imitationen wie
"ŠP"
(Tschechoslowakei),
MOM/41
(Ungarn),
FPM
(DDR),
OPFOS
(Deutschland, Österreich oder Schweiz?) sowie
I.O.R.
(Rumänien). Das selbe Zifferblattsystem
wurde auch beim
FALKE-Kompass
verwendet.
Siehe auch:
-
OPTOS
(Deutschland, Österreich oder Schweiz?),
TRIUMPH
DÄNEMARK
Hersteller: Cornelius Knudsen -
Kiøbenhavn (Kopenhagen),
berühmter Marineoptiker
Ein Barometer mit diesem Verkäufernamen ist auch bekannt. Es
handelt sich beim Kompass vermutlich um eine Spezialanfertigung von
LUFFT.
(Vgl. mit dem holländischen Modell weiter unten)

|
Abmessungen: mit dem kleinen Modell (I - ohne Spiegel)
identisch. Teilung: 6400 Strich linksdrehend, wobei die Tausender
ausgeschrieben sind. Die Himmelsrichtungen entsprechen der deutschen
Schreibweise. Nr. 1323. Anlegekante ohne Lineal. Zusätzliche
Angaben: eine Königskrone mit den Initialen HV. Das Wort RETNING
(RICHTUNG / DIRECTION) ist mit denselben Lettern geschrieben,
wie auf den originalen Bézard-Kompassen.
Der Herstellername (auf der Unterseite) umschließt einen
Wappen mit Krone, in dem ein Zirkel und ein
Zimmermann-Winkelmaß abgebildet sind. Der Text des Querbands
auf der West-Ost-Achse lautet: FELTK. / M. 1928 (Feldkompass / Modell
1928).
 |
DEUTSCHLAND
(DDR)
Hersteller: FPM
Lesen Sie mehr über diesen Kompass bei den
Produkten der Firma FPM (Freiberger Präzisionsmechanik) in der
Kategorie Marschkompasse. |
 |
FRANKREICH
Hersteller: J. Auricoste
Lesen Sie mehr über die Firma Auricoste und diesen Kompass in
der Kategorie Marschkompasse.
|
|
TSCHECHOSLOWAKEI - 1
Zwei Hersteller einer Version mit
leichten Unterschieden: ŠP
und MEOPTA
(zur Beschreibung: bitte die Links aktivieren) |

SP-Version |
ŠPs Logo
 |
MEOPTAs
Logo
 |
TSCHECHOSLOWAKEI - 2
Hersteller : unbekannt
(SMĚR bedeutet DIREKTION)
Kompass mit um ca. 180 Grad schwenkbarem Spiegel:

(Animation: Bild
anklicken)
|
(Zum
V ergrößern,
Bild anklicken)
|
An der Deckelaußenseite befinden sich die
Missweisungswerte für verschiedene Städte der
damaligen Tschechoslowakei (PRAHA = PRAG, BRNO = BRÜNN)
gültig für das Jahr 1938.
Die Skala an der Anlegekante war für die Armeekarten im
Maßstab 1:75.000 bestimmt: eine Einheit misst
1,33 mm, was 100 Meter auf der Karte entspricht.
Am Deckel befindet sich außerdem eine Halterung - vermutlich
war dieser Kompass für ein Geschütz gedacht.
Datenblatt
- Durchmesser: 45 mm
- Gewicht: 145 g
- Teilung der Kompassrose
(Foto: Link anklicken):
6400 Strich, rechtsdrehend
|
RUMÄNIEN
(modern) Hersteller: I.O.R.
Lesen Sie mehr über diesen Kompass bei den
Produkten der Firma I.O.R. Valdada in der Kategorie Marschkompasse. |
 |
NIEDERLANDE / HOLLAND
Hersteller: unbekannt
Das Gehäuse ist mit der dänischen Version quasi
identisch.
Möglicherweise wurden in manche Länder Kompasse von
LUFFT unsigniert exportiert.
|

Foto Snyder's Treasures |
UNGARN
(IRÁNY = DIRECTION)

Hersteller: Die älteste Version wurde nach unserem
Kenntnisstand von der Firma GAMMA
(Budapest) gefertigt. Es handelte sich
um das kleine Modell ohne Spiegel. Danach wurden zwei
militärische Versionen des großen Modells von der
Firma MOM (Die Links anklicken, um die
jeweiligen
Einträge zu lesen) gefertigt, die später
in Werk
Nr. 41 umgenannt wurde.
|
Fotos (links und Mitte):
MOM - (rechts): GAMMA

|
TEIL 2 - DOKUMENTATION