DAS INTERNET-KOMPASSMUSEUM FREUT
SICH ÜBER JEDE (GESICHERTE)
INFORMATION, DIE GEIGNET IST, DIESEN ARTIKEL ZU ERGÄNZEN bzw.
ZU VERBESSERN.
INSBESONDERE BEITRÄGE ÜBER DIE FERTIGUNGSPERIODEN DER
EINZELNEN MODELLE ODER DIE AUSSTATTUNG DER VERSCHIEDENEN
MILITÄRISCHEN EINHEITEN SIND WERTVOLL. EHEMALIGE MITARBEITER
DER FIRMA LUFFT (STUTTGART) ODER ANGEHÖRIGE DER
STREITKRÄFTE (BW / BGS) SIND HERZLICHST EINGELADEN, UNS
ÜBER IHRE ERFAHRUNG ZU BERICHTEN.
KATALOGE UND ALTES WERBEMATERIAL (AUCH ALS FOTOKOPIE) SIND WILLKOMMEN.
EBENSO FREUEN WIR UNS ÜBER HIER EVTL. NICHT BEHANDELTE
NACHAHMUNGEN (siehe IMITATIONSFABRIKATE).
Wer einen Beitrag leisten kann, möchte sich bitte mit
dem Museumskurator über unsere E-mail-Anschrift (siehe
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Vielen Dank!
Dieses Kapitel behandelt
ausschließlich den BÉZARD-Kompass. Im
Anschluss werden auch die von anderen Herstellern gefertigten
Imitationen behandelt.
INHALTSÜBERSICHT
DER BÉZARD-KOMPASS – EINE 90 JAHRE
WÄHRENDE LEGENDE
Dieser berühmte Kompasstyp wurde von dem damals noch Hauptmann
Johann Ritter von BÉZARD entwickelt und patentiert. In
späteren Dokumenten wird er dann als Major und zuletzt als
Oberst bezeichnet. Im Patent heißt es, dass er in Neusohl,
Ungarn (heute Banska
Bystrica, Slowakei) wohnte.
(Ein ausführlicher Lebenslauf ist in Vorbereitung.
Das Original in
polnischer Sprache befindet sich auf der Website der Stiftung "Fundacja
Tadeusz Kosciuszki" des Geschichtsmuseums in Kielce, Polen - siehe
unter LINKS.).
Das System wurde in mehreren Ländern kurz
hintereinander patentiert. Im damaligen Kaiserreich
Österreich-Ungarn war es unter der
Nr. 13413 vom 15.02.1903 (Foto links).
ANMERKUNG: Das im Original-Patent beschriebene Instrument wurde u.a. in
Frankreich vom Schiffsuhren-Hersteller J.
Auricoste vertrieben
(ob auch hergestellt ?). Es erscheint aber auch im Katalog der
Société
des Lunetiers für das Jahr 1907
in zwei Versionen : Holzgehäuse (ohne Spiegel) und
Aluminiumgehäuse mit Spiegel (Mitte).
 |
.

|
Unter der Serien-Nr.
war auf den deutschen Modellen die Patent-Nr. sowie die
Abkürzung D.R.P. (Deutsches Reichs-Patent) geprägt.
 |
Dem Museum liegen Patent-Kopien aus folgenden Ländern vor:
Kaiserreich Österreich-Ungarn, Deutsches Kaiserreich,
Frankreich, Großbritannien, Schweiz und Kanada. Auf dem
Deckel einer Schachtel steht, dass das System ebenfalls in den USA
sowie in Japan und Russland patentiert war, aber noch haben wir keine
Kopie dieser Dokumente.
Es ist anzumerken, dass die drei Länder deutscher Sprache (A,
D, CH) jeweils eine andere Bezeichnung für das Instrument
wählten! Außerdem haben die französischen
Behörden den Adelstitel (Ritter) für einen teil des
Namens gehalten, während er in der englischen Version mit
Knight
richtig übersetzt wurde.
Patent für das Deutsche
Kaiserreich
Nr. 157.329 (25. Nov. 1902)

Patent für die Schweiz
Nr. 27.752 (13. Nov. 1902)
 |
Patent für Frankreich
Nr. 326.536 (12. Nov. 1902)
 |
Patent für
Großbritannien
Nr. 24.874 (17. Sept. 1903)
 |
Patent für Kanada
Nr. 90.148 (1904)
(Bild anklicken um die
Patentseite aufzurufen)
 |
BESCHREIBUNG
Dieser Kompass wurde zwar auf den Schachteln als
"Diopter-Orientierungsbussole" (nach dem italienischen Wort
für Kompass: bussola) verkauft, aber er wurde früh
als der "Bézard-Kompass" berühmt. Zuerst in der
königlichen und kaiserlichen (K&K) Armee
Österreichs eingesetzt, wurde er infolge einer breit
angelegten Werbekampagne und eines nachhaltigen Lobbyings auch in
Deutschland bekannt und eingesetzt.

In
einem Film aus den frühen 30er Jahren kann man den
österreichisch-ungarischen Grafen László
Ede Almásy sehen, der als Forscher in der Sahara einen
Bézard-Kompass in der Hand hält. Anscheinend
handelt es sich dabei um das Armeemodell 1910 II. Almásy
entdeckte 1930 die Felsmalereien in der libyschen Wüste. Sein
Leben wurde in dem Film
"Der englische Patient"
erzählt.
(Zum
Vergrößern, Bild anklicken)
Vermutlich handelte es sich jedoch bei der nur wenige Sekunden
dauernden Szene um eine gestellte Einstellung für Werbezwecke.
Ein einwanfreier Peilvorgang dauert wesentlich länger: in
dieser kurzen Zeit kommt nicht einmal die Magnetnadel zum Stehen!
(Dieses Foto stammt aus der
Produktion "Sahara - Das versunkene Paradies" und wurde dem
Internet-Kompassmuseum freundlicherweise von der Firma ScienceVision
zur Verfügung gestellt © www.sciencevision.at.
Ferner wurde darauf hingewiesen, dass es sich hierbei um eine
nachgestellte Szene handelt.)
In der Patentschrift wird ein
Gehäuse aus Holz beschrieben (siehe den AURICOSTE
Marschkompass). Davon gibt es nur sehr wenige Exemplare. Viel
häufiger finden sich Modelle aus einem Material, das in den
Begleitheften des Herstellers als Hartgummi bezeichnet wird. Die
späteren Modelle waren dann alle aus Aluminium.
Das Basis-Modell war das sogenannte große Armeemodell 1910
II, auch Spiegelmodell 1906 genannt. |
 |
Der Durchmesser der Kompassrose
betrug 55 mm und das Lineal an der Anlegekante der Deckelbasis
maß 50 mm. Er war in einer zivilen Version (Teilung
der Kompassrose in 360 Grad) und in einer militärischen
Variante (6400 Strich-Teilung) erhältlich. Das kleine Modell
(45 mm Durchmesser, 40 mm Lineal) gab es mit Spiegel
(I S) und ohne Spiegel (I) und war nur mit ziviler Teilung
(360 Grad) erhältlich.
Beide konnten mit rechts- (d.h. im Uhrzeigersinn) oder linksdrehender
(entgegen dem Uhrzeigersinn) Teilung bestellt werden. |
Gefertigt wurde der Bézard-Kompass von der
damals in Stuttgart ansässigen deutschen Firma Georg LUFFT.
Es gab nacheinander mindestens drei verschiedene Firmenlogos. Das
vermutlich älteste stellte ein flaches zylindrisches Gebilde
dar, auf dessen Randfläche der Name LUFFT stand. Ihm folgte
eine ovale
Kartusche, in der die übereinander liegenden Anfangsbuchstaben
(G und L) zwischen den
Schenkeln eines offenen Zirkels (auch Kompass
genannt) eingeschrieben waren.
 |

Das älteste Logo
(s. Beispiel weiter unten Tschechoslowakei)
|
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Später ersetzte
LUFFT das GL-Logo durch den
Gründernamen in gotischer Schrift.
Die Produktbezeichnung wechselte (wann?) von PATENT-BÉZARD
in ORIGINAL-BEZARD. Zeitweise (wann?) stand auch nur
Bézard-Kompass. |

(Zum
Vergrößern, Bild anklicken)
|

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Das Bild von Kompassrose und Magnetnadel hat
nacheinander zwei grundsätzlich unterschiedliche Formen erlebt.
Links: Der pfeilförmige Papierzeiger ist auf einem Magnet mit
Wachs geklebt. Über dem Buchstaben N
verläuft ein schmaler Strich aus radiumhaltiger Leuchtfarbe in
Längsrichtung.
Rechts: Seine Position ließ sich auch in relativer Dunkelheit
gut sehen. Am Pfeilausschnitt des Armeemodells 1910 II R (Radium) sind
beidseitig Farbstriche vorhanden. |
 |
Armeemodell 1910 II mit voreingestellter Missweisung:
ca. 9 Grad West für Berlin am Anfang des 20. Jh.
 |

Die Kursmarke am Armeemodell II bestand zuerst aus einem roten Strich
auf einem Zelluloidplättchen, das zwischen dem
Spiegelscharnier und dem Gehäuse eingelegt war. |
Ein Bézard-Kompass Modell I
französische Version): die Kursmarke ist eine Metallspitze.

Bei den späteren Versionen wurde der Papierzeiger durch einen
konventionellen Metallzeiger ersetzt, dessen südliches Ende
allerdings mit einer kleinen runden Scheibe versehen war.
Die Südmarke auf der unteren Zelluloidscheibe war mit einem
Kreis versehen, und es galt, die beiden in Übereinstimmung zu
bringen. |
Der Bézard-Kompass unterschied sich in seiner
Handhabung völlig von früheren Kompasstypen und bot
viele Neuerungen.
Er wurde deswegen oft imitiert (siehe Abschnitt Imitationsfabrikate am
Ende dieses Artikels).
Die wesentlichen Neuerungen gegenüber anderen
Modellen waren folgende:
- In den Seitenwänden seines Deckels waren zwei Sehschlitze
zum Anvisieren eines Zieles vorhanden.
- Gleichzeitig konnte die drehbare Kompassrose in einem hochklappbaren
Spiegel beobachtet werden.
Die Kompassrose trug die in einer roten rechteckigen Kartusche
eingerahmten Worte PATENT BEZARD in roter Schrift, bzw. ORIGINAL BEZARD
schwarz auf weiß nach einem Designwechsel. Dieses Hilfsmittel
wurde Querband bezeichnet. Trotzdem war der Umgang damit als sehr
einfach dargestellt, wie dies in den Schachteldeckeln dargelegt wurde
(siehe unten). |
Dieses Querband war ein wesentliches Element bei der Verwendung des
Kompasses. Es war auf der WEST-OST-Achse unter dem Glas der Kompassdose
angebracht. Das linke und das rechte Ende des Querbands waren je mit
den Initialen der Himmelsrichtungen (W und O) gekennzeichnet.
Es galt bei der Arbeit mit der Karte, diesen roten Balken parallel zu
den Ortsnamen auf der Karte zu halten, die ja stets
gemäß einer West-Ost-Linie angeordnet waren, und das
Gehäuse so zu drehen, dass die Anlegekante auf einer Linie
stand, die den gegenwärtigen Standort und das Ziel verband.
Bei späteren Modelle änderte sich die Beschriftung,
wie zum Beispiel ORIGINAL-BEZARD in schwarzen Lettern auf
weißem Grund, oder sogar ganz ohne Hintergrundfarbe.
Schließlich gab es in den letzten Produktionsjahren beim
Flüssigkeitsgedämpften Bézard die Worte
FLUID BEZARD zwischen zwei weißen horizontalen Linien.
|
Skizze: Der Bézard-Kompass auf einer Karte liegend
 |
Beim Laufen brauchte man dann nur noch den Kompass so
zu halten, dass die Nord-Spitze der Magnetnadel auf Null Grad bzw.
Magnetisch Nord zeigte. Die Missweisung war am Armeemodell 1910 II
bereits berücksichtigt. An späteren Modellen konnte
die Missweisung angepasst werden (siehe weiter unten).
Der weiße (oder mit Radium-Farbe behandelte, leuchtende)
Pfeil im Deckel und das Wort DIREKTION (bzw. RICHTUNG) außen
am Deckel zeigten die Marschrichtung. |
| Für das genaue Anpeilen eines Punktes hielt
man den Kompass in Augenhöhe und benutzte die beiden Schlitze
im Deckel, um das Ziel anzuvisieren. Der in einem Winkel von ca. 45
Grad aufgerichtete Spiegel zeigte das Bild der Kompassrose und der
Magnetnadel. Man drehte dann das Glas, bis der pfeilförmige
Zeiger (altes Modell) genau in der Aussparung passte. Der genaue
Peilwinkel war an der roten Kursmarke am Rand der Kompassdose unter dem
Spiegel abzulesen. Diese Marke wurde später durch eine
waagrechte Metallspitze beim Modell IS bzw. durch einen an der
Drehachse des Spiegels in der mitte der Spiegelhalterung eingesetzten
Zeigers ersetzt. |

Anvisieren eines Ziels mit dem Kompass.
Er konnte an einem Stock oder Ast mithilfe einer sogenannten
Richtklemme befestigt werden. |
Leicht korrodierender Aluminiumdeckel
 |
Deckel aus Edelstahl
 |
Eine besondere Serie (für die Kaiserliche und
Königliche Armee Österreich-Ungarns?) wurde ganz im
Sinne der Germanisierung der deutschen Sprache mit RICHTUNG anstatt
DIREKTION beschriftet, wobei der jeweilige Querstrich vom H und vom T
(in Anlehnung an die Runenschrift?) eine Linie bildete. Beim Wort
DIREKTION ist der Schriftzug auch leicht kursiv.
(Anm.: das, was wie Punkte vor und hinter dem Wort
RICHTUNG aussieht, ist jeweils das Ende der Befestigungsschrauben des
Pfeils aus Pappe im Deckel). |
Die ersten Modelle besaßen einen
Aluminiumdeckel, der leicht Patina ansetzte. Er wurde an
späteren Modellen durch Edelstahl ersetzt. Ab den
Fünfziger Jahren (ungesicherte Information) wurde er
Militärgrün lackiert.
Die Anlegekante des Deckels besaß beim Modell II von Anfang
ein graviertes Lineal (50 mm). Beim kleinen Modell I wurde anscheinend
erst nach dem 2. Weltkrieg auch ein Lineal (40 mm ) eingraviert. |
Die Deckelaußenseite ist mit dem Wort
DIREKTION (bzw. DIRECTION oder RICHTUNG) versehen, das durch einen
Pfeil in Lese- und Marschrichtung wie durchgestrichen ist. An der
Deckel-Innenseite befindet sich ein mit zwei Schrauben befestigter
Pfeil aus Pappe, der mit einem kurzen Strich Leuchtfarbe in
Längsrichtung versehen ist. Ein Sondermodell (rechts)
verfügte über eine verschiebbare Spitze an der
Außenseite des Deckels, die das Ansetzen des Nullpunktes der
Anlegekante auf der Karte mit großer Genauigkeit
ermöglichte (siehe Bild rechts). |

Ausziehbare Spitze zum Fixieren der Anlegekante auf einer Position auf
einer Karte |
 |
Die Visierschlitze des kleinen Modells wurden in der
späteren Ausführung (nach dem 2. Weltkrieg) unten in
einer runden Aussparung wie Kimme und Korn einer Schusswaffe
ausgebildet (Bild links: Modell I S, ca. 1960)
An den Schrauben der Anlenkung sind am großen Modell II
zusätzlich Klammern zur Aufnahme des Radiumlineals angebracht. |
 |
Für die Bewegungen in der Dunkelheit konnte
ein 10 cm langes Lineal mit zwei selbstleuchtenden Strichmarken aus
einer radiumhaltigen Farbe in schwenkbare Klammern an der
Deckelanlenkung eingesteckt werden. Die späteren Modelle
(Beispielsweise bei der Französischen Armee, 1954) hatten kein
Radium mehr.
Es gab zwei Unterschiedliche Klammernformen: zuerst flach am
Bakelitmodell, später mit Stufe und mit
größeren Schrauben am Aluminiummodell. |
 |
Es gab drei Ausführungen. Beim großen
Armeemodell II war er an einem Scharnier gelötet, dessen
andere Hälfte am Gehäuse verschraubt war.
Die spätere Ausführung des großen Modells
bildet selbst ein Teil des Scharniers (siehe BUK, Bild rechts).
Er war nicht rund wie beim kleinen Model sondern elliptisch mit einer
kleinen Nase, um ihn mit dem Fingernagel leichter anzuheben. Beim
Modell I S (Bild Mitte) war das Gelenk dezentral nahe an der
Deckelanlenkung angebracht. Er hatte außerdem eine kleine
Aussparung für die Kursmarke.
Das jüngste Modell (BUK fluid) hatte zusätzlich einen
kleinen mondsichelförmigen Einschnitt.
Armeemodell II
 |
Armeemodell I
S
 |
BUK FLUID
 |
(Zum Umgang mit der Strichteilung, siehe
ausführliche Erläuterungen unter VERSCHIEDENES)
Im ersten Buch des Majors Gallinger
(1929, S. 8, Bild 5, siehe Abschnitt Bibliographie weiter unten)
heißt es, dass die Strichteilung mit Norden bei 3200 und
Süden bei 6400 angeordnet ist, "zur Übereinstimmung
mit den Richtmitteln der Artillerie und schweren Infanteriewaffen".
Um den Belangen vieler Kunden
gerecht zu werden, wurde gegen Ende der 20er J. in einer kleinen Serie
eine Ersatzlösung angeboten: es handelte sich um einen
ringförmigen Teilkreis aus Aluminium mit Strichteilung, die
zwischen
dem Glas und der Rose mit Gradteilung bei Bedarf mit dem Nullpunkt bei
Norden eingelegt werden konnte. Sie war in ihrer Mitte ausgeschnitten,
um die 360 Grad-Teilung aber nicht die Himmelsrichtungen abzudecken.
Das Glas war nur lose eingelegt und leicht herausnehmar: dadurch konnte
nicht nur die Strich-Skala nach Bedarf mit dem Nullpunkt bei Norden
oder bei Süden ausgerichtet, sondern auch die Deklination
angepasst werden, welche seit der Entwicklung des Systems bereits um
ca. zwei Grad abgenommen hatte.
Beim modernisierten zerlegbaren Modell (späte
1930er Jahre) konnte die Missweisung an den jeweiligen Ort angepasst
werden. Unter der Kompassrose befand sich eine zweite Zelluloidfolie,
auf der nur Leuchtmarken für die Himmelsrichtungen angebracht
waren. Man brauchte nur den Strich für Magnetisch Nord auf den
richtigen Wert zu stellen. Es war jedoch etwas umständlich:
zum Zerlegen der Dose mussten drei Schräubchen und eine
Nutfeder (nicht abgebildet) aus- und wieder eingebaut werden.

Rechts: Eine der drei Schrauben |
Die Marschrichtungsmarke bestnd aus einem roten
Farbstrich auf einem winzigen Zelluloidplättchen, das zwischen
dem Spiegelscharnier und dem Gehäuse eingebaut war.

Bézard-Kompass, zerlegt: unten, die beiden Zelluloidscheiben. |
Am späteren Modell BUK III (ab den
Dreißiger Jahren) konnte die Missweisung schneller umgestellt
werden, indem die untere Zelluloidfolie mit einem (an einer Schnur
befestigten) Stift durch eine kleine Bohrung unterhalb vom Spiegel
festgehalten werden konnte während die Lünette
entsprechend gedreht wurde.

Einstellung der Missweisung mittels Stift am BUK III |
Jakubowskis patent
Ein System zur Festeinstellung der korrigierten
Missweisung
wurde 1933 durch Olgierd Jakubowski (Warschau, Patent
Nr.
20963*) entwickelt. Eine zusätzliche, an der Basis der Kapsel
angebrachte Scheibe konnte um den Wert der Missweisung verstellt und
mittels dreier Schrauben fixiert werden. Das ausziehbare Lineal
wurde anstelle des Ost-West ausgerichteten Querbands des
Original-Bézard-Kompasses verwendet. Beim Hineinschieben hob
das
Lineal die Magnetnadel an und verriegelte sie.
* Deutsche Fassung verfügbar |
 |
Vgl. mit Modell 1922 von DOIGNON
|
In Anlehnung an die Taschenuhren wurden bei den ersten
Modellen runde bzw. ovale Ösen verwendet. Sie waren
für den feldmäßigen Gebrauch doch zu
bruchanfällig und wurden später (nach dem 2.
Weltkrieg) durch einen schlichten, billigeren aber sicherlich
stabileren angenieteten Bügel ersetzt.
Viele Deckel hatten noch die vorgesehene Bohrung. |
 |
 |
Das anspruchsvollste Modell war der
sogenannte Universal-Bézardkompass (UBK): er
besaß in den vertikalen
Sehschlitzen je ein horizontales Stück Draht, womit optisch
zwei Fadenkreuze entstanden. Mithilfe des im Deckel eingebauten
Pendel-Neigungsmessers und der in der Kompassdose befindlichen
Dosenlibelle konnte man Höhenwinkel messen. Damit war es auch
schon möglich, ein Geschütz grob auszurichten.
Vorbild für den UBK war höchst-
wahrscheinlich das Patent Nr. 80134 von Erich Wolf aus
dem Jahr 1917 für ein Artilleriekompass:

Der UBK II mit Messplatte
|

Umrechnungstabelle und Fadenkreuz |

Ausrichten eines Maschinengewehrs mithilfe des Bezard-Kompasses
(Bild anklicken für Detailansicht) |
Die Messplatte

Für die Schätzung oder Messung von Entfernungen gab
es ein spezielles Instrument, die sogenannte Messplatte. Es handelte
sich um ein aus zwei jeweils 80 mm langen Schenkeln
zusammenklappbares Lineal.
Die Skala war in den ersten 100 mm in Strich beziffert und ab
cm 11 wieder in Zentimetern - also, so:
0-20-40-...-200-11-12... |
Die Messplattte war am Kompass mit einer Schnur
befestigt und musste 50 cm vor dem Auge gehalten werden.
Messverfahren: Man hielt (als Rechtshänder) das Lineal in der
rechten Faust und brachte die Linke Seite des Objektes, dessen
Entfernung gemessen werden sollte, in Übereinstimmung mit dem
herausragenden Ende des Lineals, während mit dem Nagel des
Daumens das rechte Ende des Objektes auf der skala festgehalten wurde
(siehe Bild rechts). Voraussetzung für die Schätzung
der Entfernung war die ungefähre Kenntnis der
Größe des jeweiligen Objektes. Wenn bei einem Haus
von ungefähr 20 m Breite 20 Striche gemessen wurden, befand
sich das Haus in 1 km Entfernung, da 1 Strich gleich 1 m in
1 km Entfernung ist, usw. Mit vertikal angeordneten Objekten
verfuhr man entsprechend. |
Bilder aus R. GALLINGERs Buch "Der
Bézard-Kompass" (1933) :
 |
Das von LUFFT zuletzt gefertigte Modell (bis 1996) war der
flüssigkeitsgedämpfte FLUID BÉZARD. Diese
Worte standen anstelle im Querband wie früher PATENT bzw.
ORIGINAL BÉZARD. Es hatte eine erste Version gegeben, deren
rot-weiße Magnetnadel vermuten lässt, dass sie in
Zusammenarbeit mit der Fa. WILKIE (vgl. mit den Kapseln der
WILKIE-Kompasse) entstanden war. Das spätere Modell war dann
mit der für BÉZARD typischen Magnetnadel
bestückt. Es wurde in der einfachen zivilen und in der
militärischen BUK-Variante sowie in einer
Bundeswehr('Bw')-Armband-Version produziert. Zusätzlich zur
üblichen Punkt/Kreis-Überlagerung am
Süd-Ende der Magnetnadel war die richtige Lage der Magnetnadel
bei Nord mittels zweier Schrägstriche in Leuchtfarbe
dargestellt, zwischen denen die Nadelspitze sichtbar blieb.
 |

Die Unterseite |
Das erste
flüssigkeitsgedämpfte Modell besaß noch das
übliche Querband
Die Nadel war quasi identisch mit denjenigen der Kompasse der Firma
WILKIE, die damals schon (50er Jahre) die Technologie der
Flüssigkeitsdämpfung perfekt beherrschte.
(Fotos wurden von einem
Privatsammler übermittelt) |

Das spätere einfache Modell |

Beim FLUID UBK waren die Worte des Querbands in
weißer Farbe
zwischen zwei horizontalen Linien geschrieben.
(Bild anklicken zum
vergrößern)
|

Der FLUID-Bézard in der Armbandversion
Modell "Bw" (Bundeswehr)
Datenblatt: siehe Armbandkompasse
Foto Ted Brink
siehe LINKS, Militärische Kompasse |
Das kleine Armeemodell 1910 I und das große
Armeemodell 1910 II (Spiegel-Modell 1906, 1913) wurden in
Pappschachteln geliefert, auf deren Flächen Skizzen abgebildet
waren, die Beispiele für die leichte Handhabung darstellten.
Die Skizze vom Armee-Modell I war etwas simpler als die vom Modell II.
Hier einige Beispiele.
Kleines
Armeemodell 1910 I - Deckelaußenseite

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Deckelinnenseite
und Schachtelboden
 |
Umgehen
seines Hindernisses (hier ein See) How to bypass a lake with three
course settings
 |
Großes Armeemodell 1910 II
Deckel-Oberseite
 |
Das Foto im Deckel zeigt, wie der
Kompass richtig zu halten ist.

(Auf der Unterseite der Schachtel steht die gleiche Skizze wie im
Deckel vom kleinen Armeemodell I) |
Skizze in der Schachtel
Punkt 3 besagt:
Von einem in 20 Minuten
hiezu ausgebildeten Handlanger aufgenommen
 |
Die älteste: schwarz, gerippt
 |
Die wertvollere:
Braun, glatt, auf Kanten genäht

|
Die letzte Version:
braun glänzend mit Pockennarbenmuster

|
- Fachliteratur, um den Umgang mit dem
Bézard-Kompass zu lernen und zu üben.
Am wichtigsten waren die beiden Handbücher des Majors Rudolf
Gallinger. Letzterer betrieb in Graz einen regen Handel mit
Bézard-Kompassen, dem passenden Zubehör und der
entsprechenden Fachliteratur.
 |
Der Bézard Kompaß
als Hilfsmittel für die Orientierung und
Gefechtsführung, 152 Seiten, Selbstverlag des Autors, 1929 |
 |
Der BÉZARD-KOMPASS
40 Orientierungsbeispiele für Turisten u. Skifahrer, 41
Seiten, Selbstverlag des Autors, 1933
|

-
Mitgelieferte Bedienungsanweisungen
Zusätzlich zu den Skizzen in der Schachtel wurde eine
Bedienungsanweisung mitgeliefert. Davon gab es viele Varianten. Hier
eine kleine Auswahl:
- - "Nachts leuchtende Orientierungs-Bussole. Patent Major v.
Bézard", 16 S., Preise in Kronen, Mark und Franken, in
lateinischer Schrift, keine Autorenangabe (vermutlich 30er Jahre)
- - Patentierte Orientierungs-Bussole nach Oberst von
Bézard, Autor: Dipl.-Ing. Hans EBER, 19 S. in gotischer
Schrift, Universitäts-Buchdruckerei Dr. C. Wolf &
Sohn, München Jungfernturmstr. 2, (bis 1945 ?)
- - BÉZARD Boussole, Orientierungs-Boussole Patent
Bézard, keine Autorenangabe, in lateinischer Schrift mit
roten Mustern auf dem Deckblatt, 11 S. (zivile Version, für
Österreich?)
- - Original-Bézard-Kompass (G. Lufft
Metallbarometerfabrik GmbH), 12 S., 50er Jahre (?), für die
Modelle I S und II.
- - Universal-Bezard-Kompass (G. Lufft Metallbarometerfabrik
GmbH), 8 S., 50er Jahre (?), nur für den BUK.
- - Aufsatz: Orientierungsbussole Bézard von Major
A. Staubwasser, Kriegstechnische Zeitung, 1913, 10. Heft, als
Separatabdruck bei Mittler und Sohn, Berlin W, Kochstr. 48 (liegt dem
Kompassmuseum nicht vor).
- - Aufsatz: „Wegerkundung“ in einer
militärischen Zeitschrift, Autoren-Initialen: B. H. R.
Für den Export nach Frankreich lag den Kompassen auch eine
Übersetzung bei. Die zivile Vorkriegsversion war kaum
verständlich, aber diejenige für die
französische Armee aber einwandfrei.
Zu den Kunden zählten einige Armeen Europas.
Das Modell BUK war auch lange Zeit das vom Deutschen Alpenverein (DAV)
bevorzugte
Instrument.
In DEUTSCHLAND
war der Deckel jeweils mit BUND
bei der BUNDESWEHR bzw. mit BGS beim
BUNDESGRENZSCHUTZ (heute Bundespolizei) gekennzeichnet.
 |
Teilung am BGS-Kompass:
6400 Strich
 |

Über die Ausstattung der Bw und des BGS (von wann bis wann?)
liegen dem Museum noch keine Daten vor. Ihre Hilfe ist gefragt. Das
Kompassmuseum sucht noch einen Originalkompass des Bundeswehr-
Bezard-Kompasses. Notfalls bitten wir den
Ebay-verKäufer dieses Exemplars um Freigabe des Bildes oder
den Käufer, sich zu melden.
|
FRANKREICH
(Armée Française, AF)
 |
Den
AF-Bézard-Kompass gab es mit 360 Grad-
und mit 6400 Strichteilung (s. BGS oben).
 |
Ausstattung der
französischen Truppen im
Indochina- und im Algerien-Krieg (jeweils 1946-1954 und 1957-1962)
(ungesicherte Vermutung: von wann bis wann genau? Ihre Hilfe ist
gefragt.)
KOMMENTAR: Eine
interessante Frage stellt sich hier: hat Frankreich nach dem 2.
Weltkrieg diese Kompasse von Lufft zu Sonderbedingungen, vielleicht
sogar als Reparationszahlung gratis bekommen? Das wäre ja voll
zu Lasten der französischen Kompassindustrie gegangen! Also
warum hat Frankreich sie verwendet? Allerdings waren die
französischen Marschkompasse daneben in ihrer Auslegung
vorsintflutlich... (siehe zum Beispiel das französische
Modèle 1922 in der Kategorie Marschkompasse). |
Der Deckel und die Kompassrose der Exportversionen
waren in der jeweiligen Landessprache beschriftet.
Beispiel rechts:
FRANKREICH
(altes Modell): "BREVET BÉZARD"
In den Ländern, in die LUFFT seine Produkte nicht
selbst
exportierte, wurden entsprechende Instrumente durch etablierte
Hersteller unter ihrem eigenen Namen und Logo (in Lizenz?) gefertigt,
wier z.B. Cornelius Knudsen in Dänemark oder GAMMA in
Ungarn.
Andere Kompasse sind nicht absolut identisch und gelten nur als
Imitationen wie
"ŠP"
(Tschechoslowakei), MOM/41 (Ungarn), FPM (DDR)
oder I.O.R. (Rumänien).
DÄNEMARK
Hersteller: Cornelius Knudsen -
Kiøbenhavn (Kopenhagen),
berühmter Marineoptiker
(Vgl. mit dem holländischen Modell weiter unten)

|
Abmessungen: mit dem kleinen Modell (I - ohne Spiegel)
identisch. Teilung: 6400 Strich linksdrehend, wobei die Tausender
ausgeschrieben sind. Die Himmelsrichtungen entsprechen der deutschen
Schreibweise. Nr. 1323. Anlegekante ohne Lineal. Zusätzliche
Angaben: eine Königskrone mit den Initialen HV. Das Wort RETNING
(RICHTUNG / DIRECTION) ist mit denselben Lettern geschrieben,
wie auf den originalen Bézard-Kompassen.
Der Herstellername (auf der Unterseite) umschließt einen
Wappen mit Krone, in dem ein Zirkel und ein
Zimmermann-Winkelmaß abgebildet sind. Der Text des Querbands
auf der West-Ost-Achse lautet: FELTK. / M. 1928 (Feldkompass / Modell
1928).
 |
DEUTSCHLAND
(DDR)
Hersteller: FPM
Lesen Sie mehr über diesen Kompass bei den
Produkten der Firma FPM (Freiberger Präzisionsmechanik) in der
Kategorie Marschkompasse. |
 |
FRANKREICH
Hersteller: J. Auricoste
Lesen Sie mehr über die Firma Auricoste und diesen Kompass in
der Kategorie Marschkompasse.
|
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TSCHECHOSLOWAKEI
Hersteller: "ŠP"
 |
 |
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DATENBLATT
- Teilung: 360 Grad, rechtsdrehend
- Lineal: 50 mm
- Gewicht: 70 g
Der Spiegel kann mittels einer ausgearbeiteten Feder in einem Winkel
von 45 Grad arretiert werden. |
TSCHECHOSLOWAKEI
Hersteller : unbekannt
(SMĚR bedeutet DIREKTION)
Kompass mit um ca. 180 Grad schwenkbarem Spiegel:

(Animation: Bild
anklicken)
|
(Zum
V ergrößern,
Bild anklicken) |
An der Deckelaußenseite befinden sich die
Missweisungswerte für verschiedene Städte der
damaligen Tschechoslowakei (PRAHA = PRAG, BRNO = BRÜNN)
gültig für das Jahr 1938.
Die Skala an der Anlegekante war für die Armeekarten im
Maßstab 1:75.000 bestimmt: eine Einheit misst
1,33 mm, was 100 Meter auf der Karte entspricht.
Am Deckel befindet sich außerdem eine Halterung - vermutlich
war dieser Kompass für ein Geschütz gedacht.
Datenblatt
- Durchmesser: 45 mm
- Gewicht: 145 g
- Teilung der Kompassrose
(Foto: Link anklicken):
6400 Strich, rechtsdrehend
|
RUMÄNIEN
(modern) Hersteller: I.O.R.
Lesen Sie mehr über diesen Kompass bei den
Produkten der Firma I.O.R. Valdada in der Kategorie Marschkompasse. |
 |
NIEDERLANDE / HOLLAND
Hersteller: unbekannt
Das Gehäuse ist mit der dänischen Version quasi
identisch.
Möglicherweise wurden in manche Länder Kompasse von
LUFFT unsigniert exportiert.
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Foto Snyder's Treasures |
UNGARN
(IRÁNY = DIRECTION)

Hersteller: Die älteste Version wurde nach unserem
Kenntnisstand von der Firma GAMMA
(Budapest) gefertigt. Es handelte sich
um das kleine Modell ohne Spiegel. Danach wurden zwei
militärische Versionen des großen Modells von der
Firma MOM (Die Links anklicken, um die
jeweiligen
Einträge zu lesen) gefertigt, die später
in Werk
Nr. 41 umgenannt wurde.
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Fotos (links und Mitte):
MOM - (rechts): GAMMA

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